
„Als Kind (sprechend und singend): Berliner Rundfunk. Vor dem Universitätsstudium (Theaterwissenschaft/Publizistik/Anglistik) Film-Aufnahmeleiter“ – derart Preuß-isch knapp begann er einmal eine schriftliche Berufs-Vita. Das Stakkatohafte prägte auch seinen eigenwilligen Sprachstil, mit dem Joachim Werner Preuß (neben Friedrich Luft) zur zweiten Stimme der Kritik im Berliner Hörfunk wurde, gleichermaßen gehört und geschätzt in West und Ost. 1956 war er, zunächst als Werkstudent, dann als Aufnahmeleiter, Regisseur und Redakteur zum SFB gekommen.
Die sonntägliche „Galerie des Theaters“ machte er in mehr als drei Jahrzehnten zu einer theaterkritischen Institution. Seine Aufmerksamkeit galt nicht allein den großen Bühnen, sondern auch der Freien Szene und dem Kindertheater. Darüber hinaus engagierte sich Preuß u. a. im Internationalen Theaterinstitut, dem Theaterbeirat des Goethe-Instituts und im Verein Freie Volksbühne Berlin, deren Ehrenmitglied er 2002 wurde. Ein unvollendetes Projekt blieb die Gründung eines Berliner Theatermuseums, für das er lange Zeit gekämpft hat. Jetzt ist Joachim Werner Preuß im Alter von 80 Jahren gestorben.
Petra Castell, kulturradio