Dietrich Steinbeck (Foto rbb)

Nachruf

Zum Tode von Dietrich Steinbeck

Sein "Musikmagazin" hat Rundfunkgeschichte geschrieben. Sein kritischer Basston konnte loben und zerreißen.

Weil wir ja immer zusammen hingingen, hatte ich das Glück, im Theater neben ihm zu sitzen. Aber weh dem, der seinen Platz hinter ihm hatte. Doch nicht nur wegen seiner Körpergrösse und -fülle und seinem erst blond, später weiß leuchtenden Charakterkopf war Dietrich Steinbeck im Berliner Kulturleben unübersehbar. Eine Opern- oder Tanzpremiere ohne ihn war viele Jahrzehnte lang nicht denkbar. Aber auch mit dem Geschehen auf den Schauspielbühnen war er bestens vertraut. Und mit den kulturpolitischen Vorgängen sowieso.

Beinahe wäre er als Lehrer und Wissenschaftler an der Universität hängen geblieben. Sein unbändiges intellektuelles Temperament, seine politische Leidenschaft und sein Bedürfnis nach künstlerischer und kulturpolitischer Wirkung trieben ihn nachgerade zwangsläufig in den Journalismus. Sein markanter Bass prägte für eine unendlich lange Zeit die Programme des SFB, später des rbb: als Kultur-Reporter im Zeitfunk, als Kritiker und Moderator in der „Galerie des Theaters“, zeitweise auch in der Berliner Abendschau; vor allem aber als die Stimme des „Musikmagazins“ am Sonnabend Nachmittag auf SFB 3 bzw. den Nachfolge-Wellen im rbb.

Mit der Präsentation dieser Sendung hat Dietrich Steinbeck – man kann es tatsächlich so hochtrabend sagen – Rundfunkgeschichte geschrieben. Dass er da zwischen klassischer Musik auch die Bundesliga-Ergebnisse vorlas, lässt das breite Spektrum seiner Interessen ermessen. Für viele junge Mitarbeiter war er mit seiner Energie und seiner journalistischen Haltung ein Vorbild. Wissenschaft und Lehre hat er nie aufgegeben. Für seine engagierte Arbeit als Gast-Dozent am Institut für Theater, Musiktheater und Film in Hamburg wurde ihm der Professoren-Titel verliehen. Seine Wissbegierde war trotz körperlicher Schwächen bis zuletzt ungebrochen. Die Trauerrede auf seinen Kollegen Joachim Werner Preuss konnte er noch schreiben, aber schon nicht mehr selber halten. In der Nacht zum 25. 11. 2011 ist Dietrich Steinbeck nach schwerer Operation gestorben. Er wurde 74 Jahre alt.
Petra Castell, kulturradio

© Rundfunk Berlin-Brandenburg

http://www.kulturradio.de/beitraege/zum_tode_von_dietrich.html

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