- Brüder im Geiste

Der RIAS Kammerchor singt Britten und Poulenc

Sie trafen erstmals im Jahr 1945 aufeinander, als Solisten in Poulencs Doppelkonzert für zwei Klaviere und Orchester, anlässlich einer Aufführung in der Londoner Royal Albert Hall. Dass sich aus dieser eher flüchtigen Begegnung eine lebendige, dauerhafte Künstlerfreundschaft zwischen Benjamin Britten und Francis Poulenc entwickelte, lag ohne Frage an einer seltenen Art des Gleichklangs im künstlerischen Denken und Fühlen. Beide vertraten erfrischend liberale Stilideen, die im lauten Chor einer zunehmend dogmatisch auftretenden, auf radikalen Bruch mit der Tradition eingeschworenen Avantgardegemeinschaft für die subtilen, kommunikativen, geschichtsbewussten Töne sorgten. Und beide verabscheuten jede Form von Gewalt, waren durchdrungen von einem tief eingewurzelten Pazifismus, der letztlich auch in ihrer Musik seinen Widerhall fand.

Poulencs Figure Humaine auf einen Gedichtzyklus des großen Surrealisten und Résistance-Dichters Paul Éluard, 1943 verfasst, zeigt einen glühenden Eiferer des Freiheitsdrangs, dem es gleichwohl glückt, die humanistischen Fanale der Texte in lichten, eindringlichen Klang zu übersetzen, ohne je die Faust in der Tasche zu ballen. Damit ist Poulenc ein idealer Dialogpartner für Britten, dessen Werke, vokale wie instrumentale, in unterschiedlichster Weise von den Leitgedanken Mahnung und Versöhnung bestimmt sind – manchmal offen und appellativ, nicht selten maskiert und hinter lyrischen Motiven verborgen. Stets aber spürbar mitschwingend.

Benjamin Britten Choral Dances aus "Gloriana"
Francis Poulenc Fancy
Benjamin Britten Fancie A Hymn to the Virgin
Francis Poulenc "Figure humaine"
Benjamin Britten Hymn to St. Cecilia op. 27
Five Flower Songs
Francis Poulenc Priez pour paix Bleuet
Benjamin Britten A. M. D. G.

Helen Collyer Klavier

RIAS Kammerchor
Justin Doyle Dirigent