Berliner Zeiss-Großplanetarium (© rbb/Hanna Lippmann)

Veranstaltungsreihe - Kult!

Wie konnte es soweit kommen? Im März haben wir den 250.000. Besucher beim Hörspielkino unterm Sternenhimmel begrüßt.

Angefangen hat alles mit einer guten Idee: Man lege sich in die zurückgelehnten Polstersessel eines Planetariums, schaue in die Kuppel eines illuminierten Sternenhimmels und höre dabei: ein Hörspiel!

Kollege und Hörspielfan Lutz Oehmichen hatte den zündenden Einfall im Jahre 1994 und – gesagt, getan! – bereits ein Jahr später ging die erste Staffel mit Hörspielen im Planetarium am Insulaner an den Start.

Das Konzept ist einfach und bewährt: Jeweils an vier bis acht Wochenenden im Frühjahr und Herbst sind in den beiden Planetarien im Osten und Westen der Stadt –  eingebettet in eine ausgeklügelte Ablaufdramaturgie – in der Regel zwei Hörspiele zu hören.

Geboten wird eine sorgfältig durchdachte Mischung aus ARD-Highlights, vom Krimi bis zum Klassiker, vom Bestseller bis zum Preisträgerstück. Besondere Reihen zu Schwerpunkthemen wie Kunstkopf und 5.1 runden das Programm ab.

Als Veranstalter von Anfang an dabei: radioeins vom rbb, später kam noch Der Hörverlag dazu und seit 2011 auch das kulturradio vom rbb.

Erbitterte Kämpfe

Was keiner voraussehen konnte: Die Veranstaltungsreihe war nach kurzer Zeit so erfolgreich, dass sie den beiden Planetarien mit ihren jeweils um die 300 Plätzen stetig ausverkaufte Häuser bescherte. Hörspielhören als Freizeitereignis mit Kultstatus!

Auch nach über zwanzig Jahren nun kann man dieses wundersame Phänomen beobachten. Wer beispielsweise im vergangenen Herbst dem nun wieder neu eröffneten Zeiss-Großplanetarium am Prenzlauer Berg einen Besuch abstattete und dabei die langen Schlangen an den Kassen und die erbitterten Kämpfe um eventuell noch vorhandene Restkarten miterlebte, staunte nicht schlecht. Denn nein, hier wurde nicht zu einer Filmpremiere angestanden, sondern schlicht zur Präsentation eines Hörspiels, in diesem Fall von "Schöne neue Welt" nach Aldous Huxley.

Und um das Wunder noch zu vervollständigen: Die Menschen, die hier in Massen ins Foyer strömten, konnte man nicht anders als jugendlich nennen – also in der Hauptsache zwischen zwanzig und dreißig, höchstens vierzig Jahren alt.

"Gemeinsam Hörspielhören ist wieder groß in Mode" betitelte Der Tagesspiegel dieses Phänomen und – möchte man hinzufügen – nirgendwo kann man dies so angenehm tun wie im "Hörspielkino unterm Sternenhimmel".

Im März 2017 nun erwarten wir im Rahmen des "Hörspielkino unterm Sternenhimmel" unseren 250.000. Besucher. Wie Christoph Schlingensief seinerzeit bei seiner Verleihung des Hörspielpreises der Kriegsblinden schon sagte: "Hoch lebe das Hörspiel! Nein! Es lebt: das Hörspiel!"

Regine Ahrem, kulturradio