A Fancy - Fantasy on English Airs & Tunes; Montage: rbb
Bild: harmonia mundi

CD DER WOCHE | 23.10. - 29.10.2017 - "A Fancy - Fantasy on English Airs & Tunes"

Der französische Cembalist Bertrand Cuiller und sein Ensemble Le Caravansérail spielt englische Musik des 17. Jahrhunderts.

Die Musik der englischen Virginalisten hat den Franzosen Bertrand Cuiller schon früh stark begeistert. Nachdem der Cembalist vor drei Jahren sein eigenes Ensemble Le Caravansérail gegründet hat, legt er nun dessen Debüt-CD vor – passenderweise ebenfalls mit englischer Musik. Die Platte mit Theatermusik aus der ‚Restoration Period‘ liefert einen mitreißenden Wechsel von Vokal- und Instrumentalkompositionen rund um Purcell, Locke und andere, teils anonyme Komponisten.

Ein Name mit Hintersinn

Karawansereien waren von Mauern geschützte Herbergen an Karawanenstraßen, die teilweise recht komfortable Unterkünfte anboten. Bertrand Cuiller gefiel nicht nur der Klang dieses Namens, sondern die Assoziation ungewisser, aber womöglich beglückender Begegnungen. So stellt er sich die Arbeit seines in wechselnder Besetzung agierenden Ensembles vor, das Zusammentreffen für spannende Konzert- und CD-Projekte, die zu einer gewissen Magie führen sollen. Eine erfolgreiche Begegnung dieser Art fand im November 2016 in der Normandie statt, als im Theater von Caen die CD ‚A Fancy‘ entstand.

Blütezeit der Theatermusik

Die Epoche der Restauration, nach der Wiedereinsetzung des englischen Königtums im Jahr 1660, war eine Blütezeit der Theatermusik. Die zuvor geschlossenen Theater waren wieder geöffnet, erstmals gab es Schauspielerinnen auf öffentlichen Bühnen und sich verändernde Szenenbilder. Das Publikum strömte und egal ob Oper oder Schauspiel, kein Bühnenwerk kam ohne reichlich Musik aus. Das Repertoire, das dabei zum Einsatz kam, hat es dem 39-jährigen Bertrand Cuiller angetan.

Bekannte und unbekannte Komponisten

Die 25 Titel der neuen CD stammen von insgesamt acht bekannten und drei anonymen Komponisten. Am stärksten vertreten sind der ‚Orpheus britannicus‘ Henry Purcell und der fast 40 Jahre zuvor geborene Matthew Locke, der führende Theaterkomponist der frühen Restaurationsjahre. Purcells Kompositionen weisen ihn als einen der größten Meister der Melodien nicht nur der damaligen Zeit aus, von Locke stammen vor allem effektvolle Instrumentalsätze. Doch neben diesen Großmeistern können auch wenig bekannte Komponisten wie Samuel Akeyrode und James Hart mit teils amüsanten, teils bewegenden Vokalwerken gefallen.

Imaginäre Reise

Bertrand Cuiller hat die CD in fünf Abschnitte eingeteilt, in denen sich jeweils Vokal- und Instrumentalstücke abwechseln. Jeder der Teile hat einen eigenen Charakter und nach dem Wunsch von Cuiller nehmen sie den Hörer mit auf eine imaginäre Reise. Worin diese genau besteht, ist jedem selbst überlassen – der Ensemblechef macht dazu bewusst keine Vorgaben. Alles soll sich im Kopf des Hörers abspielen, wenn melancholische neben ausgelassene neben feurige Arien treten, eingerahmt von teils getragenen, teils wuchtigen Tanzsätzen. Der Untertitel der CD lautet ja auch "A Fantasy on English Airs & Tunes", eine Fantasie auf der Basis englischer Lieder und Melodien.

Wunderbare Solistin

Dies alles wird zusammengehalten vom farbenfrohen Spiel der knapp 20 Instrumentalisten und vor allem von der exzellenten Gesangssolistin, der jungen schottischen Sopranistin Rachel Redmond. Sie passt sich mit ihrer hellen, gerade geführten Stimme dem Charakter jedes Liedes an, überzeugt bei introvertierten Stücken ebenso wie bei leidenschaftlichen oder humorvollen. Der fließende Übergang von instrumentalen zu damit harmonierenden vokalen Abschnitten und umgekehrt sorgt beim Hören für manche magische Momente.

Rainer Baumgärtner, kulturradio