Martha Argerich, Itzhak Perlman: Schumann – Bach – Brahms; Montage: rbb

CD DER WOCHE | 26.09. - 02.10.2016 - Martha Argerich, Itzhak Perlman: Schumann – Bach – Brahms

Spontaneität und Mut zum Risiko - Martha Argerich und Itzhak Perlman treten in einen musikalischen Dialog, der persönlicher und lebendiger nicht sein könnte.

Die Pianistin Martha Argerich und der Geiger Itzhak Perlman sind zwei lebende Legenden. Und man könnte denken, dass die beiden im Laufe ihres Musikerlebens viele Gelegenheiten hatten, miteinander zu spielen. Doch die Liste der gemeinsamen Konzerte bzw. Aufnahmen ist recht kurz. Umso schöner, dass nun eine neue CD erscheint, auf denen die beiden Kammermusik spielen.

Wie vom Donner gerührt

Als Itzhak Perlman die Pianistin Martha Argerich das erste Mal hörte, war er wie vom Donner gerührt. Einmal mit ihr zusammen Musik machen - das hatte er sich sofort in den Kopf gesetzt. Diesen Traum konnte er sich allerdings erst mit 53 Jahren erfüllen: 1998 spielten die beiden im Saratoga Performing Arts Center erstmals zusammen – einem großen Amphitheater im Bundesstaat New York. Auf dem Programm stand unter anderem die a-Moll-Violinsonate von Robert Schumann. Die Aufnahme von damals ist auf der neuen CD von Itzhak Perlman und Martha Argerich zu hören.

Leidenschaft, Eskapaden und Samthandschuhe

Das Rastlose, die Erregung, das plötzliche Aufwallen in Schumanns Musik – all das haben Itzhak Perlman und Martha Argerich so sehr verinnerlicht, dass man die schnell wechselnden Zustände beim Hören körperlich zu spüren meint. Auch wenn die Stimmung ins Geheimnisvolle oder Verträumte umschlägt, reißt die Spannung nicht ab. Martha Argerich befeuert von der Tastatur aus das Geigenspiel Itzhak Perlmans. Der reagiert auf all die kleinen und großen Impulse mit Leidenschaft und lässt sich beherzt auf Eskapaden ein. Wenn sein warmer, weicher Ton in den gesanglichen Passagen aufblüht, spielt Martha Argerich wie mit Samthandschuhen.

Erfahrungen und Gelassenheit

Die anderen Werke der CD wurden allesamt im Frühling dieses Jahres eingespielt – ohne Publikum in einem Kammermusiksaal in Paris. Auf den Fotos, die dabei gemacht wurden, wirken die beiden sehr vertraut: Sie sitzen eng beieinander, diskutieren, lachen.

Martha Argerich ist jetzt 75 und Itzhak Perlman 71 Jahre alt. Ihre jahrelangen kammermusikalischen Erfahrungen und die Gelassenheit, fast möchte man sagen die Altersweisheit sind hörbar: Nichts wirkt bemüht oder überinterpretiert. So werden die drei kurzen Fantasiestücke von Robert Schumann, ursprünglich für Klarinette und Klavier komponiert, unter ihren Händen zu wahren Kostbarkeiten.

Martha Argerich, Itzhak Perlman; Foto: Jean-Baptiste Millot/Warner Classics
Martha Argerich, Itzhak Perlman; © Jean-Baptiste Millot/Warner Classics

Bach mit romantischer Anmutung

Die c-Moll-Sonate von Johann Sebastian Bach klingt so, als ob die beiden das Stück schon etliche Male zusammen gespielt hätten. Dabei hat Martha Argerich es für die CD-Aufnahmen ganz neu einstudiert. Itzhak Perlman und Martha Argerich spielen Bachs Musik mit großer Selbstverständlichkeit so, wie man sie heutzutage kaum noch zu hören bekommt: auf modernen Instrumenten und mit romantischer Anmutung.

Spontaneität und Mut zum Risiko

Das Bestechende an dieser CD ist vor allem, wie diese beiden starken Persönlichkeiten miteinander agieren: Jeder lässt sich vollkommen auf den anderen ein. Mit ihrer Spontaneität riskieren sie zwar die eine oder andere Ungenauigkeit, aber gerade diese Risikobereitschaft kommt dem Ausdruck zugute. Martha Argerich und Itzhak Perlman treten in einen musikalischen Dialog, der persönlicher und lebendiger nicht sein könnte.

Imke Griebsch, kulturradio