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CD DER WOCHE | 20.03. - 26.03.2017 - Camille Saint-Saëns: "Orchesterlieder"

"Karneval der Tiere", "Danse macabre" oder "Samson und Dalila" – all das sind Werke, die man mit Camille Saint-Saëns in Verbindung bringt. Dass er aber auch Orchesterlieder geschrieben hat, ist kaum bekannt. Der Münchner Dirigent Markus Poschner hat jetzt 19 dieser Lieder zusammen mit den Sängern Yann Beuron und Tassis Christoyannis sowie seinem Orchestre della Svizzera Italiana zum ersten Mal auf CD aufgenommen.

Erst vor wenigen Jahren sind diese Lieder in Venedig, am "Zentrum für französische Musik der Romantik" wiederentdeckt worden. Saint-Saëns ist zwar eher berühmt für seine Orchesterwerke, dass er aber auch eine ganze Reihe an Liedern mit Orchesterbegleitung geschrieben hat, hat auch Markus Poschner überrascht.

Victor Hugo als Vorlage

Mit 13 schrieb Saint-Saëns sein erstes Lied nach einem Gedicht von keinem Geringeren als Victor Hugo: "L’enlèvement" – "Die Entführung", eine heiter-verspielte Fantasie eines Verliebten, der darüber sinniert, wie es wäre, seine Angebetete zu entführen. Auch für seine späteren Lieder greift Saint-Saëns immer wieder auf Hugo zurück.

Aber auch Werke von weniger bekannten französischen Poeten dienen ihm als Vorlage. Sie handeln vom Tod, von der Liebe, vom Warten oder der Ekstase, aber auch von Naturbeobachtungen wie einem zarten Schmetterling oder der Wildheit eines persischen Tanzes. Einen Text hat der Komponist sogar selbst verfasst: "Les Cloches de la mer" – "Die Glocken des Meeres" – eine finstere Hommage an ertrunkene Seemänner und ihre Familien.

Im Mittelpunkt steht der Text

Saint-Saëns hat für seine Lieder eindeutige Prioritäten: Im Mittelpunkt steht der Text, der mit der Melodie verschmelzen muss. Dabei vermeidet er akribisch falsche Silbentrennung oder unpassende Akzente. Der Orchesterpart hält sich zwar unaufdringlich im Hintergrund, trotzdem hat sich Saint-Saëns einiges einfallen lassen, damit auch die Begleitung bunt und vielfältig klingt.

Die beiden Sänger, der französische Tenor Yann Beuron und der griechische Bariton Tassis Christoyannis, verleihen jedem Lied eine ganz besondere Aura. Mal zurückhaltend und zweifelnd, dann wieder kämpferisch und triumphierend verkörpern sie die unterschiedlichen Atmosphären. Das Orchestre della Svizzera Italiana erweist sich als ausgezeichneter Begleiter, der den Solisten, dezent aber bestimmt, eine durch und durch bildreiche Kulisse bietet.

Ulrike Klobes, kulturradio