Camille Thomas: Saint-Saëns - Offenbach © Deutsche Grammophon
Bild: Deutsche Grammophon

CD DER WOCHE | 09.10. - 15.10.2017 - Camille Thomas: "Saint-Saëns - Offenbach

Im vergangenen Jahr hat die Zeitschrift Paris Match die französisch-belgische Cellistin Camille Thomas zur "Nachwuchssolistin des Jahres" gekürt. Für ihr Debütalbum hat sie Werke von Camille Saint-Saëns und Jacques Offenbach eingespielt.

Genau zweihundert Jahre älter als sie selbst, ist das Cello, auf dem die 1988 geborene Cellistin Camille Thomas spielt. Ihr Cello trägt den Namen eines hochwertigen Weines: "Château Pape Clément" – weil ein Weinhändler aus dem Bordeaux es ihr gesponsert hat. Ihr Spiel auf dem Instrument überzeugt. So hat im vergangenen Jahr die Zeitschrift Paris Match die französisch-belgische Cellistin zur "Nachwuchssolistin des Jahres" gekürt. Und nun ist die Pariserin die erste Cellistin seit 40 Jahren, die einen Exklusiv-Vertrag mit der Deutschen Grammophon bekommen hat. Soeben ist ihr Debüt-Album bei dem Label erschienen.

Französisches Programm

Nicht ohne Grund hat Camille Thomas für ihr Album Werke des Franzosen Camille Saint-Saëns und des Deutsch-Franzosen Jacques Offenbach gewählt. "Ich wollte, dass die CD etwas über mich erzählt", sagt die Cellistin.

Sie habe ein französisches Repertoire ausgewählt, um ihre französische Persönlichkeit zu repräsentieren. Camille Thomas liebt die Stücke von Saint-Saens, ihre Leichtigkeit und Freude, aber auch ihre große Sensibilität und Tiefe. Offenbach ist für sie "der deutscheste Pariser".

"Deutschland war immer sehr wichtig für mich. Ich habe zehn Jahre dort studiert, und es war eine schöne Brücke für mich zwischen Deutschland und Frankreich, diese Offenbach-Stücke zu spielen."

Jacques Offenbach bietet mehr als Operette

Mit viel Gefühl spielt Camille Thomas die Elegie "Les Larmes de Jacqueline" (Die Tränen der Jacqueline) von Jacques Offenbach. Es ist ein Stück, das erkennen lässt, dass in Jacques Offenbach noch ganz andere Seiten als die Leichtigkeit seiner Operetten stecken, für die er berühmt geworden ist.

Camille Thomas ist sicher: "Offenbach hat sehr gelitten, denn die Leute haben immer gedacht, dass er ein sehr oberflächlicher Komponist sei. Dabei hat er sein ganzes Leben versucht, auch ernste Stücke zu komponieren. Das Stück 'Les Larmes de Jacqueline' ist nicht einfach ein Gesang. Es ist sehr tief und traurig. Das Deutsche kann man darin gut hören."

Das "Deutsche" habe etwas Ernsthaftes und Tiefgründiges, findet Camille Thomas. Sie hat in Berlin an der Hochschule für Musik Hanns Eisler studiert, später bei Wolfgang Emmanuel Schmidt in Weimar.

Eine Brücke nach Deutschland schlägt für Camille Thomas auch das Prélude der Suite für Cello und Orchester von Camille Saint-Saëns, denn es erinnert sie an Johann Sebastian Bach.

Musik der ersten großen Erfolge

Camille Thomas begann mit dem Cellospiel, als sie vier Jahre alt war. Heute ist sie 29. Die Stücke auf der CD sind Werke, die Saint-Saëns und Offenbach komponierten, als sie in einem ähnlichen Alter waren und als sie ihre ersten großen Erfolge feierten. So wie Camille Thomas es für sich empfindet mit ihrem Debüt bei der Deutschen Grammophon (– obwohl sie auch vorher schon CDs aufgenommen und zahlreiche Auszeichnungen bekommen hat).

Die Cellistin meistert auch schwierige Herausforderungen

Unter anderem in ihrer Interpretation von "Introduction, Prière et Boléro" von Jacques Offenbach beweist Camille Thomas eine ausgefeilte Technik.

"Offenbach hat das Stück extra extrem schwer komponiert", erzählt Thomas, "damit er der einzige blieb, der es spielen könnte. Aber ich liebe Herausforderungen", ergänzt die sie und lacht.

Durch und durch Romantikerin

Die junge Französin lässt auf der CD erkennen, wie variantenreich sie spielen kann.

Vor allem aber präsentiert sie sich als Romantikerin - durch ihre ausdrucksstarke Spielweise voller Leidenschaft und durch ihre Auswahl der Werke.

Mit der Einspielung von "Mon coeur s’ouvre à ta voix" (Mein Herz öffnet sich für Deine Stimme) von Camille Saint-Saens, für Cello und Orchester transkribiert, macht sich Camille Thomas selbst ein Geschenk.

"Es ist für mich der schönste Gesang, das schönste Lied, das je geschrieben wurde. Ich habe es immer unheimlich gern gehört. Oft rührt es mich zu Tränen. Es nun mit dem Cello selbst spielen zu dürfen, war für mich ein großes Glück."

Antje Bonhage, kulturradio

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