Chopin Evocations; © DG
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CD DER WOCHE | 16.10. - 22.10.2017 - "Chopin - Evocations"

Chopin und die Folgen – so könnte unsere CD der Woche heißen. Doch der russische Pianist Daniil Trifonow hat für seine neue CD einen etwas weniger sachlichen Titel gewählt: "Evocations" heißt das Doppelalbum, benannt nach einem Satz aus Frederic Mompous "Variationen über ein Thema von Chopin".

Ein "wundervolles Stück Musik" nennt Daniil Trifonow Frederic Mompous "Variationen über ein Thema von Chopin". Der katalanische Komponist hat sie 1957 aus einem Chopin-Prélude entwickelt. Musik, die zeigt, wie modern und zeitlos Chopin geschrieben hat, welch ein "Wiederklang" von ihm ausgeht, welche "évocacion" - wie Mompou die zehnte Variation überschrieben hat.

Inspiration

Nicht nur Mompou, sondern auch Grieg und Tschaikowsky haben sich von Chopin inspirieren lassen. Auch diese Komponisten hat Daniil Trifonow für seine Hommage ausgewählt. Im Mittelpunkt des Albums aber stehen die beiden Klavierkonzerte von Frederic Chopin. Beide nicht in der originalen Instrumentation, sondern vom Dirigenten Mikhail Pletnev bearbeitet. Er leitet bei den Aufnahmen das hervorragende Mahler Chamber Orchestra - Chopin in Bestbesetzung!

Konzertant

Im Unterschied zur originalen Instrumentation der beiden Klavierkonzerte ist Pletnevs Orchestrierung leichter und kompakter. Solist und Orchester können dadurch mühelos ein konzertantes Miteinander entfalten, einen Dialog, den der Bearbeiter Michail Pletnev als hervorragender Pianist und Chopin-Interpret ursprünglich für sich selbst verfasst hat! Das verhilft beiden Konzerten zu einer Transparenz, in der Trifonovs hervorragenden gestalterische Fähigkeiten noch deutlicher hervortreten können - wie im langsamen Satz des zweiten Konzertes. Dort lässt der Pianist, nur von einem äusserst feinen Pizzicato der Streicher begleitet, höchste emotionale Spannung entstehen.

Daniil Trifonov, Klavier; © Dario Acosta / DG
Daniil Trifonov; © Dario Acosta/DG

Hut ab!

Für Robert Schumann war Chopin schlichtweg "ein Genie" – "Hut ab, ihr Herren" meinte Schumann im Dezember 1831, nachdem er Chopin mit dessen Mozart-Variationen auf der Bühne erlebt hatte. Gemeint war dabei nicht nur die pianistische Technik, sondern auch die Kühnheit der Komposition. In den Variationen über "La ci darem la mano" ist das Originalthema in der ersten Variation noch durchaus erkennbar, bei den darauffolgenden Variationenen muss dann selbst Daniil Trifonow alles geben. Was bei diesem Pianisten aber bekanntlich sehr viel ist.

Wettbewerbe

Aus heutiger Sicht ist immer noch kaum zu verstehen, dass Trifonow im Jahr 2010 beim Warschauer Chopin-Wettbewerb nur Dritter wurde. Hat er doch kurz danach mühelos verschiedene andere grosse Wettbewerbe gewonnen und zählt heute zu recht zu den weltweit besten Pianisten. In Chopins zweiter Mozart-Variation kommt sein grosses Können zum Ausdruck, wobei Trifonov auch in den Momenten höchster Virtuosität nie den künstlerischen Ausdruck beiseitelässt.

Lieblingsstück

Trifonovs Lieblingsstück auf diesem Album, sagt er, ist Samuel Barbers‚ "Nocturne". Der amerikanische Komponist hat seinerzeit erkannt, dass Chopins emotionale Tiefe in dessen "Nachtstücken" am deutlichsten zum Ausdruck kommt. Mit ganzer Hingabe spielt Daniil Trifonow deshalb Barbers musikalische "Nachdichtung" und schafft damit einen emotionalen Höhepunkt eines Albums, auf dem nicht immer maximale Virtuosität für ein berührendes Klangerlebnis notwendig ist.

Hans Ackermann, kulturradio

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