Capella de la torre: Da pacem!; Montage: rbb
Bild: Deutsche Harmonia Mundi

CD DER WOCHE | 27.02. - 05.03.2017 - "Da pacem"

Da pacem! – Der Beitrag zum Reformationsjubiläum von Capella de la Torre und dem RIAS Kammerchor

Das Gebet "Da pacem Domine" – von Martin Luther mit "Verleih uns Frieden gnädiglich" übersetzt – wird von katholischen wie protestantischen Gläubigen gebetet. Die gleichnamige CD versammelt Kompositionen aus den Jahrzehnten nach Luthers Thesenanschlag, den Jahrzehnten um den 30-jährigen Krieg. Die Capella de la Torre und der RIAS Kammerchor haben nicht nur Werke protestantischer Komponisten eingespielt, sondern sie gekoppelt mit denen von Musikern katholischen Glaubens.

Katharina Bäuml; © Andreas Greiner-Napp
Katharina Bäuml; © Andreas Greiner-Napp | Bild: Deutsche Harmonia Mundi / SONY

Bekanntes und Entdeckungen

Die CD enthält Kompositionen, die auch gern von Kantoreien gesungen werden, wie Heinrich Schütz' "O süßer, o freundlicher" aus den "Kleinen geistlichen Konzerten" oder der vierstimmige Satz "Verleih uns Frieden gnädiglich" von Martin Luther.

Doch Katharina Bäuml und ihre Mitstreiter haben in zweijähriger Vorarbeit Bibliotheken und Archive durchsucht und mit Musikwissenschaftlern kooperiert, um weitere Werke zu finden, die in den Jahrzehnten nach der Reformation entstanden sind und denen das Gebet zugrunde liegt. Eine beeindruckende Sammlung von weniger bekannten und unbekannten Werken ist entstanden.

Hervorzuheben ist die Ersteinspielung des Agnus Dei einer Missa des Flamen Jakobus de Kerle, an dessen Werk sie nur durch die Mithilfe eines in Oxford lehrenden Musikwissenschaftlers gekommen sind, der das Schaffen dieses Komponisten erforscht.

RIAS Kammerchor; © Matthias Heyde
RIAS Kammerchor; © Matthias Heyde

Bearbeitungen

"Da pacem" vereint Intrumentalwerke und Vokalwerke, teils a cappella vom RIAS Kammerchor gesungen, teils von der Capella de la Torre begleitet. Den Musikern sind sensible Bearbeitungen gelungen, immer perfekt zugeschnitten auf "ihre" Besetzung: eine sehr abwechslungsreiche und kontextabhängige Instrumentierung ergänzt den hervorragenden, homogenen Klang des RIAS Kammerchors.

Latein und Deutsch

Die Komponisten aus den reformierten Gebieten vertonten – daran ist ihre Konfession leicht zu erkennen – Luther-Texte in deutscher Sprache. Ob sie darüber hinaus andere musikalische Wege eingeschlagen haben als ihre katholischen Kollegen, wollten die Musiker um Katharina Bäuml, Leiterin von Capella de la Torre, der Chordirektor des RIAS Kammerchors Bernhard Heß sowie der Musikwissenschaftler Bernhard Schrammek herausfinden.

Und sie stellten fest: Während auf der politischen Bühne die Gräben zwischen Protestanten und Katholiken immer tiefer wurden, verfolgten die Komponisten dieselben kompositorischen Prinzipien. Die Unterschiede liegen einzig und allein in der Textvorlage.

In einer Zeit, in der hunderttausende Menschen auf verzweifelter Suche nach Sicherheit und Frieden nach Europa kommen, könnte das Gebet "Da pacem" aktueller nicht sein. Da scheint es fast eine Randerscheinung, dass die aktuelle CD des RIAS Kammerchors und der Capella de la Torre eigentlich Musik aus dem 17. Jahrhundert präsentiert.

Wie beruhigend, dass die Komponisten sich in ihren Arbeiten über diese Wirren hinwegzusetzen wussten und einvernehmlich musikalische Ökumene praktizierten.

Silke Mannteufel, kulturradio