Ein Wintermärchen; Montage: rbb
Bild: Universal

CD DER WOCHE | 12. - 18.12.2016 - "Ein Wintermärchen"

Traditionelle Weihnachtslieder wie man sie noch nie zuvor gehört hat: entstaubt, dekonstruiert und neu interpretiert von Christoph Israel.

Weihnachtslieder bekommt man mehr als genug zu hören in diesen Tagen - und auch zu sehen. Denn die Regale in den Musikläden quellen traditionsgemäß über mit den üblichen Standard-CDs von Stille Nacht bis O Tannenbaum. Da mit einem ganz besonderen Album überhaupt aufzufallen ist schon ein Kunststück. Dem Label Panorama ist das gelungen und präsentiert deutsche Weihnachtlieder im neuen Gewand – neu arrangiert für großes Orchester von Christoph Israel.

Ein bisschen klingt dies Album wie die Soundtrack-Platte zum ultimativen Weihnachtsfilm, den wir schon immer sehen wollten, und der zu unserem Bedauern nie gedreht wurde. Eine Art opulentes Dreistundenmusical mit Max Raabe als Knecht Ruprecht und Katharina Thalbach als Knusperhexe. Und natürlich turmhohen Orchesterwogen, in diesem Fall erzeugt vom Deutschen Filmorchester Babelsberg.

So schlagsahnig diese Klänge den Hörer auch einlullen – das Album dürfte für puristische Weihnachtsfanatiker hartes Brot sein. Statt traditioneller deutscher Weihnachtsstollen-Musik sind hier eher süße amerikanische Donut-Klänge zu hören. Ein Etikett, mit dem Stararrangeur Christoph Israel allerdings durchaus leben kann.

Ein Wintermärchen mit Cassandra Sheen; Foto: Jürgen Schindler
© Jürgen Schindler/Universal

Sehr viel Zucker

Sein Argument: Deutsche Weihnachtslieder haben oft etwas sehr Getragenes, und amerikanische Beschwingtheit schadet da nicht. Und so entstanden zwölf instrumentale und sechs gesungene Neufassungen deutscher Weihnachts- und Winterlieder. Viele durchaus amüsant, einige auch eher … drücken wir‘s mal so aus: meditativ.

Vielleicht nicht gerade die fesselndste Musik. Aber durchaus geeignet zum Weihnachtsbaumschmücken. Und von Christoph Israel durchaus raffiniert instrumentiert, mit zahlreichen witzigen musikalischen Zitaten innerhalb der Titel.

Wem die Orchesterversionen zu subtil sind, der kann sich an die handfesteren gesungenen Titel halten, für mich die schönsten Stücke der CD. Ob Max Raabe, Thomas Quasthoff oder Gregor Meyle – diese Künstler geben den alten Standards ein ganz besonderes Gepräge.

Ob Stille Nacht, Ihr Kinderlein kommet oder Schneeflöckchen, Weißröckchen – präsentiert werden hier wirklich süße Versionen altbekannter Weihnachtslieder. So süß, dass die Gefahr eines akustischen Zuckerschocks durchaus vorhanden ist. Aber wen kümmern in der Weihnachtszeit schon Ernährungsrichtlinien…

Matthias Käther, kulturradio

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