Montage: rbb

CD DER WOCHE | 27.12. - 01.01.2017 - Elina Garanca: "Revive"

Die Lettin Elina Garanca gehört zu den gefeiertesten Mezzosopranistinnen der Gegenwart – ihr Repertoire reicht vom Barock über den Belcanto bis hin zu den großen dramatischen Partien des späten 19. Jahrhunderts. Gerade für die letzteren scheint sie sich in letzter Zeit besonders zu begeistern. Die Arien auf ihrem neuen Album "Revive" legen das nahe. Matthias Käther stellt unsere CD der Woche vor.

Lange hat es keinen so schönen programmatischen Titel für ein Soloalbum mehr gegeben. "Revive" heißt die neue CD von Elina Garanca. Und wir begegnen hier tatsächlich einer Sängerin, die in ein zweites Leben aufgebrochen zu sein scheint. Das Comeback ins Konzertleben nach der Geburt ihres zweiten Kindes ist ihr glänzend gelungen. Ihre Stimme hat die gefürchteten hormonellen Stürme ein weiteres mal glänzend überstanden. Ja mehr noch: Die Sängerin empfindet ihren Mezzo nun zu recht als tiefer, strahlkräftiger und voluminöser.

Das bedeutet aber auch – die großen brillanten Koloraturpartien des Belcanto von Rossini, Bellini und Donizetti, mit denen sie früher geglänzt hat, sind Vergangenheit. Elina Garanca konzentriert sich jetzt auf ein grundsätzlich anderes Repertoire – es sind nun eher die komplizierten, psychologisch widersprüchlichen Frauenfiguren in der Oper, an die sich wagt. Und die finden sich vor allem im französischen Repertoire des 19. Jahrhunderts.

Krisenbewältung mit Musik

Und hier zeigt sich ein weiteres Mal, wie gut der Titel "Revive“ – Wiederbelebung – gewählt ist, denn allen scheinbar so unterschiedlichen Opernheldinnen ist gemeinsam, dass sie sich mit einem Schicksalsschlag kreativ auseinandersetzen müssen – und genau das war ausschlaggebend für Elina Garanca. Todesfälle stürzten ihre Familie in eine schwere Krise – und so suchte sie Orientierung bei Opernfiguren, die sich mit einem großen Verlust in ihrem Leben auseinandersetzen müssen oder an einem schwierigen Scheideweg stehen.

Erfreulicherweise drückt sich die Lebenskrise der Sängerin nur in der Themenwahl ihrer Stücke aus und nicht in der Präsentation selbst. Alles klingt wie immer bei ihr perfekt, der Orchestersound sitzt angegossen wie ein maßgeschneidertes Kleid, und einige Bravourstücke, etwa aus der "Macht des Schicksals", zeigen, dass sie zwar lyrischere Töne bevorzugt, technisch aber durchaus noch nicht zum alten Eisen gehört. Bravour bleibt weiterhin ein Markenzeichen der Garanca.

Matthias Käther, kulturradio