Es war einmal © Myrios classics
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CD DER WOCHE | 04.12. - 10.12.2017 - "Es war einmal"

Es waren einmal: eine Klarinette, eine Viola, ein Klavier. Eine ungewöhnliche Instrumentierung. Genau diese Besetzung hat Robert Schumann für sein Trio "Märchenerzählungen" gewählt. Sie sind eines seiner letzten Kammermusikwerke - und stehen ganz am Anfang der CD.

Märchenhafte Besetzung

Robert Schumann selbst nannte die Besetzung "romantisch" – und meinte damit märchenhaft, geheimnisvoll.

Das Blas-, das Streich- und das Tasteninstrument gehören zwar zu drei verschiedenen Instrumentenfamilien. Doch liegen der Klang der Bratsche und der Klarinette so dicht beieinander, dass es an einigen Stellen sogar Tabea Zimmermann schwerfällt, auf der Aufnahme ihre Viola herauszuhören.

Fantastische Atmosphäre

Für Tabea Zimmermann haben vor allem die langsamen Sätze der Schumann-Stücke eine wundersame Aura. Ein konkretes Märchen möchte sie sich jedoch vorstellen. Das gilt auch für Schumanns „Märchenbilder“ für Klavier und Viola, insbesondere den vierten Satz. Den spielt Tabea Zimmermann ganz besonders gern.

Musik voller Gegensätze

Wie in den meisten seiner Kompositionen arbeitet Schumann auch in den Stücken auf dieser CD mit Gegensätzen. Zum Beispiel wird die Tempoangabe „nicht schnell“ sofort durch die Angabe "nicht langsam" wieder aufgelöst.

"Bei Schumann finde ich, spürt man auf jeder Note seines Werkes, egal in welcher Schaffensphase, spürt man eigentlich diese innere Zerrissenheit, die wir ja auch von ihm als Mensch wissen und von seinen psychischen Nöten", sagt Tabea Zimmermann.

"Ich finde, dass man seine Musik ohne dieses Wissen oder Fühlen dafür, eigentlich gar nicht spielen kann."

Schumann als Fata Morgana

Jörg Widmann nimmt mit seinen „Fünf Stücken im Märchenton“ in mehrfacher Hinsicht auf Robert Schumann Bezug. Nicht nur wählt er, wie Schumann, die Besetzung Klarinette, Viola und Klavier.

"Es gibt einen Satz, der heißt Fata Morgana, und wir bewegen uns plötzlich in ganz orientalischen Tönen, also mit Vierteltönen, ... es ist extrem orientalisch schon zu Beginn."

Doch ist hier nicht das Märchenhafte, sondern Schumann ist die Art Fata Morgana. Widmann kehrt die Perspektive um: Während Märchen häufig mit Vorstellungen aus dem Orient spielen, wird hier, in diesem orientalischen Setting, in musikalischen Anspielungen von Robert Schumann erzählt.

Ein anderer Satz heißt: "Die Eishöhle". Tabea Zimmermann muss mit ihrer Bratsche ungewohnte Klänge erzeugen:

"Es klingt schlimm - man drückt die Bogenstange über die Bogenhaare auf dem Korpus des Instruments. Das klingt als, würde Holz brechen. Es ist ein ganz schreckliches Geräusch, aber zur Beruhigung: das ist nur eine Illusion. Dem Instrument passiert nichts."

"Und wenn sie nicht gestorben sind..."

Tabea Zimmermann mag besonders den letzten Satz.

"Das ist das langsamste Adagio, das ich je gespielt habe. Man fühlt sich wie in Zeitlupe, das ist wahnsinnig schwer, klanglich umzusetzen, dass man lange Bögen schaffen kann mit ganz stillen Tönen. Aber es hat eine unglaubliche Sogwirkung."

So wie die ganze CD.

Antje Bonhage, kulturradio