Juliane Laake: Golden Age in Brandenburg; Montage: rbb

CD DER WOCHE | 28.11. - 04.12.2016 - "Golden Age in Brandenburg"

Juliane Laake spielt Ensemblemusik des goldenen Gambenzeitalters – Musik des 17. Jahrhunderts.

Die Gambe – kein Vorläufer des Cellos, sondern eher ein älterer Bruder, mit Bünden am Hals und ein, zwei Saiten mehr ausgestattet sowie für eine andere Musik als das Cello "zuständig". Die Gambe war immer für vornehme Räume und Feste gedacht – und so erklang sie auch am Kurfürstlichen Brandenburger Hof. Diese Zeit nennt die Potsdamer Gambistin Juliane Laake das "Goldene Zeitalter in Brandenburg".

Englische Gambenmusik am Hof in Brandenburg

Friedrich Wilhelm von Brandenburg, der Große Kurfürst – er wird vor allem als politischer Stratege geachtet. Als Musikliebhaber ist er weniger bekannt.

Und prunkvoll ausgestattete Feste waren eine Seltenheit, sagt Juliane Laake: "Er war ja Calvinist und von daher schon kein Freund großen, äußeren Gepränges. Er hat schon staatspolitisch repräsentiert, aber es entsprach nicht seiner Neigung, große Staatsempfänge mit Musik auszukleiden und das auch noch dokumentieren zu lassen, was da eigentlich gespielt wurde. Aber wir wissen, dass der große Kurfürst selbst Gambe gespielt hat. Er hat also eine innerliche Bindung zu dieser Musik entwickelt."

Auch ist überliefert, dass er seine Musiker – die Hofkapelle bestand damals aus zehn bis 15 Personen – fast freundschaftlich, sehr fürsorglich behandelte. "Sehr ungewöhnlich für einen Fürsten der Zeit! Er hat sich um persönliche Belange seiner Musiker gekümmert, und er hat nach Möglichkeit, auch unter den größten Sparzwängen, seine Kapelle nie entlassen."

Juliane Laake hat vor einiger Zeit das "Berliner Gambenbuch" eingespielt – eine autografe Notensammlung, ein kleines Büchlein voller Sololiteratur des 17. Jahrhunderts. Das war die Initialzündung für ihr neues Projekt: Ausschau zu halten nach der Gamben-Ensemblemusik der Zeit.

Der Brandenburger Hof war, wie viele europäische Residenzen, von englischer Gambenmusik dominiert, denn aus diesem Landstrich kamen die besten Musiker. Dazu zählte einst auch Walter Rowe, der vom Kurfürsten für ein hohes Honorar angeworben wurde. Er blieb schließlich sechs Jahrzehnte und galt als wichtigster Musiker am Hof. Als Engländer brachte er englisches Repertoire mit. So hat Juliane Laake englische Ensemblemusik von William Brade und Matthew Locke ausgesucht, die garantiert am Brandenburger Hof erklang.

Von der Renaissance zum Barock

Eine sehr abwechslungsreiche Musikzusammenstellung ist Juliane Laake gelungen, die die Musik aus dem gesamten 17. Jahrhundert abbildet, und somit auch ihre Entwicklung nachvollziehbar macht. Zu Beginn der CD erklingen Werke aus den ersten Jahrzehnten. Diese Musik ist ganz in der Renaissance verhaftet: fünfstimmig gesetzt, polyphon gearbeitet, also mit übereinander geschachtelten Stimmen, die nach und nach einsetzen.

Im Laufe des Jahrhunderts bricht das barocke Zeitalter an, in dem vor allem die tanzbaren Suiten in Mode geraten. Es kommt auch eine neue, nachsingbare Melodik auf – eine Solostimme wird von einem Consort, also einem kleinen Ensemble begleitet.

Juliane Laake; © Elisa Meyer
Juliane Laake; © Elisa Meyer

Die Gambistin

Man hört in ihrem Spiel, dass Juliane Laake den Klang der Gambe liebt. Und alles mischt sich perfekt mit den befreundeten Musikern. Sie und ihr Ensemble Art d'Echo harmonieren hervorragend – man wird regelrecht in den Klang des Jahrhunderts hineingesogen.

Im Booklet erfährt man noch mehr darüber, wie am hiesigen Hof musiziert wurde. Und dem Hörer wird bewusst: Brandenburg war keine musikalische Wüste. Schon der Große Kurfürst schuf seine eigene, sehr intime Musiktradition.

Cornelia de Reese, kulturradio