Horn Trios; Montage: rbb
Bild: Berlin Classics

CD DER WOCHE | 06.11. - 12.11.2017 - "Horn Trios"

Eine 100 Jahre lange Reise durch das Horntrio-Repertoire legen der Hornist Felix Klieser, der Pianist Herbert Schuch und der Geiger Andrej Bielow auf ihrer neuen CD zurück.

Die Reise beginnt mit dem Mozart-Zeitgenossen Frederic Nicolas Duvernoy und endet mit den Komponisten Charles Koechlin und Robert Kahn, die in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts gelebt haben.

Brahms im Mittelpunkt

Wichtigste Station auf dieser Reise aber ist das berühmte Horntrio von Johannes Brahms. Felix Klieser spielt das Stück seit seiner Kindheit, es ist für ihn das krönende Werk für die Besetzung Horn, Violine und Klavier. Der Hornist kann kaum glauben, dass Brahms einer der ganz wenigen Komponisten ist, die für Horn, Violine und Klavier komponiert haben.

"Das Verrückte an diesem Stück ist doch, das es unglaublich bekannt und sehr populär ist. Auch Geiger und Pianisten haben das fest in ihrem Repertoire und spielen es regelmäßig. Auf der anderen Seite ist es das einzige große Werk für diese Besetzung! Was ja ein bisschen verrückt ist – man denke sich, es gäbe nur eine große Sinfonie, oder nur ein großes Streichquartett oder nur ein Klaviertrio, es gäbe von diesen Besetzungen jeweils nur eins. Bei dieser Besetzung ist das so!"

Klangproblematik

Brahms habe es geschafft, so Klieser, ein "sehr natürliches Stück zu komponieren, in dem sämtliche Emotionen enthalten sind", aber die Instrumente trotzdem noch sie selbst sein könnten: die Geige zart und kapriziös, das Horn warm und weich, das Klavier als Bindeglied in der Mitte. Auch wenn bei Brahms, wie Klieser meint, "alles gut ineinandergreift", grundsätzlich bleibe das Horn-Trio klanglich eine schwierige Kombination. Das kräftige Horn ist im Zusammenspiel mit der Geige einfach sehr schnell zu laut. Der Hornist muss vorsichtig und zart spielen, was auf dem Horn nicht immer einfach ist.

Felix Klieser, Horn; Foto: © Maike Helbig / edel
Felix Klieser; © Maike Helbig

Klarstellung

Noch häufiger als Fragen zur Klang-Problematik eines Horntrios muss Felix Klieser seine besondere körperliche Situation erklären: Er wurde ohne Arme geboren und bedient die drei Ventile seines Instruments, das auf einem besonderen Stativ steht, mit den Zehen des linken Fußes. Eigentlich, meint Klieser, gäbe es da gar nicht so viel zu erklären, weil er es schlichtweg nicht anders kennen würde.

"Das Problem ist, wenn Sie ohne Arme auf die Welt kommen und in der Öffentlichkeit stehen, gibt es ganz viele Leute, die das Gefühl haben oder davon überzeugt sind, dass es Probleme geben muss. Das ist manchmal ein bisschen anstrengend, weil das nie etwas mit der Realität zu tun hat. Und dann ist es gut, wenn man sich hinstellt und sagt: so und so sieht es aus und so funktioniert das. Und dann ist es irgendwann auch mal gut!"

Spannendes Programm

Sein strahlender warmer Hornton hat Felix Klieser schon vor Jahren Preise und Auszeichnungen als "bester Nachwuchskünstler" eingebracht. Mit seiner neuen CD präsentiert er nun ein sorgfältig zusammengestelltes Programm, wobei jedes der Stücke einen speziellen Horn-Ton erfordert: die modernen Klänge von Koechlin und Kahn sind viel direkter als das romantische Trio von Brahms, meint Klieser. Und für den französischen Mozart-Zeitgenossen Duvernoy zaubert er mit seinem Horn noch einmal ganz andere, leichte Töne.

Die Interpretationsmöglichkeiten dieser Horntrios sind so vielfältig, dass Felix Klieser lange an seiner "richtigen" Interpretation gefeilt und auch immer mal wieder gezweifelt hat. Am Ende aber präsentiert er zusammen mit seinen beiden Triopartnern eine gelungene und spannende Musik, wie etwa den virtuosen Schlusssatz aus dem Horn-Trio Nr. 1 von Duvernoy.

Hans Ackermann, kulturradio

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