Wolfgang Amadeus Mozart: Violinkonzerte mit Isbaelle Faust; Montage: rbb

CD DER WOCHE | 31. - 06.11.2016 - Wolfgang Amadeus Mozart: Violinkonzerte

Eine Ewigkeit hat sie damit gewartet – jetzt hat Isabelle Faust es gewagt, die fünf eindeutig Mozart zugeschriebenen Violinkonzerte einzuspielen.

Die Violinkonzerte komponierte der junge Wolfgang Amadeus Mozart, als er in Salzburg noch zu Hause lebte und schon etliche Reisen hinter sich hatte. Er brillierte auf dem Instrument, das ihm der Vater als einer der besten Geigen-Pädagogen der Welt ans Herz gelegt hatte. Später in Wien wird Mozart die Geige zur Seite legen und vor allem als Klaviervirtuose auf sich aufmerksam machen.

Die fünf eindeutig Mozart zugeschriebenen Violinkonzerte und drei Einzel-Sätze hat nun die Berliner Geigerin Isabelle Faust eingespielt. Als diese Konzerte entstanden sind, um 1770 herum, war die italienische Geigenschule vorherrschend. So passt es also hervorragend, diese Werke mit einem italienischen Ensemble aufzunehmen.

Giovanni Antonini schenkt, wie immer, jedem Detail der Musik große Beachtung. Man könnte fast sagen, er hat Mozarts Konzerte unters Mikroskop gelegt.  Jeder Ton ist genauestens austariert. Und trotzdem wirkt die Musik nie steif oder einstudiert. Sie hat immer Tempo, klingt spontan und lebendig. Jede musikalische Formulierung ist wie ein Relief herausgearbeitet. Feinste Lautstärke-Nuancen verdeutlichen jede Aussage und geben jeder Stimme den nötigen Raum.

Eine Ewigkeit hat Isabelle Faust einen Bogen um Mozart-Aufnahmen gemacht. Sie hat sich sehr viel Zeit gelassen. Bei den Aufnahmen wurde ihr auch klar, warum: "Ich habe noch einmal richtig auf der Haut gespürt: Mozart ist wahrscheinlich mit das Schwerste, wenn nicht sogar das Schwerste für mich."

Natürlich kommt kein Geiger und keine Geigerin an diesen Werken vorbei. Bei Konzerten sind sie sehr gefragt, ebenso bei Wettbewerben und Probespielen. Isabelle Faust sind diese Konzerte aber nie "über" gewesen. Sie hat sie immer mit Begeisterung gespielt und ist der Meinung: "Mozart muss wirklich sehr gelebt sein. Auch in dem Sinne: viel gespielt und sehr viel gemeinsam gespielt."

Isabelle Faust; Foto: © Detlev Schneider
© Detlev Schneider

Isabelle Faust und der Dirigent Giovanni Antonini kennen sich seit Jahren. Und mittlerweile spielt die Geigerin nur noch mit ihm und seinem Ensemble Il Giardino Armonico die Mozart-Konzerte öffentlich. Denn mit keinem Ensemble hatte sie je diesen Luxus erlebt, mehrfach und intensiv dieses Repertoire zu erarbeiten.

"Mit einem anderen Orchester kann ich das gar nicht mehr spielen. Wir sind hier in diesen Konzerten so zusammengewachsen! Wir atmen gemeinsam – ich bin ein Teil des Ensembles geworden."

Und so spielt sie diese Werke auch nicht als Solistin vor dem Ensemble, sondern – so wie es in den Noten steht, aus dem Tutti, also aus der Streichergruppe heraus, eben als Teil des Ensembles.

Zu diesem Klangbild passt auch Ihr Instrument, eine Stradivari, auch Dornröschen genannt. Stradivari und Mozart vertragen sich sehr gut miteinander, sagt Isabelle Faust, "weil das eine Geige ist, die sehr viel Eleganz mitbringt, die sehr viel Leichtigkeit hat. Es ist eine Geige, die ganz gerne nach Oben denkt und nicht so sehr nach unten. Das Kräftige und Bodenständige, das kann sie auch. Aber sie ist eben besonders glücklich, wenn sie das Luftige darstellen kann. Und bei Mozart funktioniert das ganz fantastisch."

Die Kadenzen hat sie sich von einem guten Freund schreiben lassen: vom Pianisten und Mozart-Fachmann Andreas Staier. Er hat das Kunststück fertig gebracht, für jedes Konzert eine ganz individuelle Solopassage für Isabelle Faust zu schreiben, die jedes Mal einen anderen Aspekt betont. Damit wird das Nacheinanderhören der Konzerte nie langweilig, weil jede Kadenz einen ganz individuellen Charme besitzt.

Die Vielfalt in den Kadenzen spiegelt auch den Reichtum dieser Gesamtaufnahme wider. Diese CD sollte jeder Mozart-Fan im Regal stehen haben.

Cornelia de Reese, kulturradio