Luthers Lieder; Montage: rbb
Bild: Carus

CD DER WOCHE | 01.01. - 08.01.2017 - "Luthers Lieder"

35 Luther-Lieder in Vertonungen der Renaissance bis zur Moderne mit dem Athesinus Consort Berlin und dem Kammerchor Stuttgart

"Vom Himmel hoch, da komm ich her" – in den letzten Wochen waren sie allerorts zu hören: Weihnachtslieder. Einige der bekanntesten Lieder stammen aus der Feder von Martin Luther, der in diesem Jahr zum 500-jährigen Jubiläum der Reformation geehrt wird.

Wie reich das Liedschaffen von Martin Luther war und wie sich die Komponisten in 500 Jahren Musikgeschichte davon haben inspirieren lassen, präsentiert eine neue Doppel-CD mit dem Titel "Luthers Lieder".

Agitation im Dienst der Reformation

Der Mönch und spätere Reformator Martin Luther war fromm und gottesfürchtig, aber auch den Sinnesfreuden nicht abgeneigt. Vor allem die Musik liebte er und pflegte sie mit Laute und Gesang. Um die Botschaft der Reformation zu verbreiten, wusste Luther die eingängige und emotionale Wirkung der Musik für seine Zwecke zu nutzen, und schrieb Liedtexte und Melodien.

Gemeinsam mit dem Komponisten und Torgauer Kantor Johann Walter gab Luther die ersten deutschsprachigen Gesangbücher heraus, die in den Gemeinden für den Gottesdienst genutzt wurden.

Klaus-Martin Bresgott leitet das Athesinus Consort Berlin und hatte die Idee zu der Aufnahme sämtlicher Luther-Lieder:

"Das Luther-Lied ist im schönsten Sinne Agitation und Propaganda, und mit ihr hat er die Reformation auf die Straße gebracht. Keines der Luther-Lieder war zweckfrei. Er hat sehr darauf geachtet, dass diese Lieder dafür geschrieben werden, dass die Gemeinde den rechten Glauben findet und diesen rechten Glauben miteinander besingt und begleitet. Das war also ganz gezielt von ihm so ausgedacht, weil er festgestellt hat, dass das Lied eine ganze andere und intensivere Form der Verbreitung hat als die Flugschrift."

Seit ihrer Entstehung vor 500 Jahren werden die Luther-Lieder gesungen. In evangelischen Gesangbüchern ist Luther noch heute der am stärksten vertretene Lieddichter. Zahlreiche Komponisten haben die Luther-Lieder als Grundlage für eigene Schöpfungen verwendet, darunter Johann Sebastian Bach, Felix Mendelssohn Bartholdy und Max Reger. Aber auch zeitgenössische Komponisten haben sich davon inspirieren lassen.

Klarheit und Artikulation

Die Musik der Moderne ist festes Repertoire des Athesinus Consorts Berlin, ebenso wie A-cappella-Literatur aus Renaissance und Barock. Entsprechend kombiniert das Berliner Vokalensemble auf der ersten der Doppel-CD Luther-Vertonungen des späten 16. und frühen 17. Jahrhunderts mit Kompositionen, die extra für diese Produktion in Auftrag gegeben wurden.

Das Athesinus Consort Berlin singt in kleiner Besetzung als Doppelquartett, also zwei Sänger pro Stimmlage, und beeindruckt mit einem klaren, transparenten Klangbild und präziser Artikulation der Luther-Texte.

Ebenso homogen, zudem noch voll und weich klingt auf der zweiten CD der Kammerchor Stuttgart, der unter der Leitung von Frieder Bernius Choral-Vertonungen von Felix Mendelssohn Bartholdy singt.

Zudem werden einige Luther-Choräle als Orgelbearbeitungen präsentiert, gespielt von Matthias Ank an der Orgel der St. Lorenzkirche in Nürnberg. Die Sopranistin Sophie Harmsen singt vor jeder Orgelbearbeitung die erste Strophe des entsprechenden Chorals.

Mehr als ein Hörgenuss

Das Booklet bietet neben sämtlichen Lied-Texten zwei Vorworte, die Luther als Dichter und Musiker vorstellen. Darüber hinaus schreiben Frank-Walter Steinmeier, Margot Käßmann und andere Autoren Texte zu ausgewählten Vertonungen. Daniela Schadt, Lebensgefährtin des amtierenden Bundespräsidenten Joachim Gauck, widmet ihre Gedanken der auch heute aktuellen Bitte "Verleih uns Frieden gnädiglich".

In der Friedensbotschaft steckt, aus der Sicht von Klaus-Martin Bresgott, die Quintessenz Lutherschen Denkens: "Dieser kleine 5-Zeiler: Verleih uns Frieden gnädiglich. Wer käme da und wollte sagen, dass das kein wichtiger Text ist, der uns nicht auch heute noch mit der gleichen Dringlichkeit im Herz und im Sinn liegt."

Sarah Seidl, kulturradio