Maurice Steger: Souvenirs d'Italie; Montage: rbb

CD DER WOCHE | 14. - 20.11.2016 - Maurice Steger: "Souvenirs d'Italie – Mr. Harrach's Musical Diaries"

Vor einiger Zeit sind einige Originalhandschriften aus der Sammlung des Grafen von Harrach wiederentdeckt worden. Einige davon hat Maurice Steger nun zum ersten Mal überhaupt auf CD eingespielt.

Wenn Maurice Steger ein Werk studiert und zum Klingen bringen will, dann ist für ihn der Weg das Ziel: Ihn interessiert vor allem die Suche danach, wie man als Musiker einem Werk gerecht werden kann. Das ist besonders bei wiederentdeckten Kompositionen, die noch niemand aufgenommen hat, eine spannende und knifflige Angelegenheit. Eine einzige gültige Interpretation gibt es für Maurice Steger nicht. Oft hat er nach einer fertigen Aufnahme das Gefühl, man könnte das auch anders spielen.

Auf die Suche nach einer schlüssigen Interpretation begibt sich Maurice Steger am liebsten gemeinsam mit Freunden, die sich der Barockmusik genauso verschrieben haben wie er selbst. Für sein neues Album hat er lauter Spitzenmusiker um sich geschart, die in den einschlägigen Ensembles der Alte-Musik-Szene spielen.

Maurice Steger; Foto: © MolinaVisuals
Maurice Steger; © MolinaVisuals

Handverlesene Instrumente

Nicht nur die Musiker, auch die Instrumente sind handverlesen. Die meisten der acht Flöten, die Maurice Steger für die CD-Aufnahmen ausgewählt hat, stammen aus der Werkstatt von Ernst Meyer. Diesem Schweizer Flötenbauer hat Maurice Steger seine CD gewidmet. Alle Instrumente, vom kleinen Sopranino bis zur 65 cm langen Tenor-Flöte, sind Nachbauten historischer Flöten.

Bei der Auswahl lässt sich Maurice Steger nicht nur von historischen Quellen, sondern immer auch von seinem musikalischen Empfinden leiten. Für ihn ist es nicht immer wichtig, "das historisch Korrekte zu nehmen, weil wir machen ja heute Kunst, aber man verhält sich anders, wenn das Instrument eben andere Dinge kann, als es ein Instrument konnte, wie es sich der Komponist vorgestellt hat."

Wiederentdeckte Stücke

Alle Stücke der CD wurden in Italien komponiert. Sie stammen aus einer Sammlung von Originalhandschriften, die der österreichische Graf Aloys Thomas Raimund von Harrach vor zweihundert Jahren angelegt hat – wahrscheinlich, um selbst daraus zu spielen. Die Sammlung enthält auch Kompositionen, die Harrach in Auftrag gegeben hatte, und war nur ihm selbst zugänglich.

Einige der Originalhandschriften verstaubten lange Zeit in Archiven und sind erst vor Kurzem wiederentdeckt worden. Ein Komponist sticht besonders heraus: der gebürtige Deutsche Johann Adolf Hasse, der damals in Italien gelebt hat. Er hat ein wahres Glanzstück für Blockflötisten geschrieben: die dreisätzige Cantata per flauto. In diesem Werk schlägt der Opernkomponist durch.

Hasse hat es mit hochvirtuosen Koloraturen, großen Auf- und Abwärtssprüngen, schmachtenden Melodien und dramatischen Affekten gespickt und die Blockflöte "hochgehoben aus dem instrumentalen Bassin in die Höhe der Oper … und hat gesagt, dieses Stück ist cantata, es ist so gut wie gesungen eigentlich, aber du musst es mit der Blockflöte machen."

Teuflisch schnell

Von wegen Schweizer sind langsam: Der Blockflötist Maurice Steger gehört ohne Zweifel zu den schnellsten Virtuosen der Welt. Die Koloraturen aus der Cantata von Hasse oder aus dem Concerto von Sammartini würde wohl kaum ein Sänger in dem Tempo schaffen, das Maurice Steger hier vorlegt. Wäre das Wort Teufelsblockflötist nicht so sperrig, wären bestimmt schon viele auf die Idee gekommen, Maurice Steger diesen Titel zu verpassen.

Imke Griebsch, kulturradio