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CD DER WOCHE | 01.05. - 07.05.2017 - Metamorphosen Berlin: "Tschaikowsky - Serenade"

Das Berliner Streichorchester widmet seine zweite CD dem Komponisten Peter Iljitsch Tschaikowsky.

Das Streicherwerk von Richard Strauss mit dem Titel "Metamorphosen" ist der Namenspatron des Berliner Streichorchesters, das der Cellist Wolfgang Emanuel Schmidt gegründet hat. Seit 2010 spielen die Streicher zusammen. Nun hat das Orchester einen neuen Schritt gewagt und eine eigene Konzertreihe gestartet: im Konzerthaus Berlin werden sie nun regelmäßig zu hören sein. Eröffnet wurde die Reihe mit einem Tschaikowsky-Programm. Und auch ihre zweite CD ist voll und ganz diesem Komponisten gewidmet.

Bekennende Tschaikowsy-Fans

Der Cellist Wolfgang Emanuel Schmidt zu dieser Wahl: "Tschaikowsky verbindet man automatisch mit Klangsinnlichkeit, mit unglaublich schönen Melodien – er selbst hat auch gesagt, dass Schönheit für ihn die Hauptsache ist in der Musik. Seine Musik spiegelt genau das wieder, was wir auch suchen: Klangsinnlichkeit und Flexibilität."

Auf der CD finden sich die großen Streicherwerke des Komponisten: seine Serenade in C-Dur und die Streicherfassung des "Souvenir de Florence" op. 70, das der Komponist als Sextett UND als Streichorchesterfassung hinterlassen hat. Dieses Opus 70 ist typisch für den Komponisten, so Schmidt: "Das ist nicht die italienische, leichte Musik, wie man sie kennt. Das ist nicht nur leicht und virtuos-frisch. Gerade in diesem Werk und auch in der Serenade begegnet uns immer die Kombination von Spielfreude mit seiner zutiefst russischen Seele.

Gerade der zweite Satz zeigt, welch flexible Klangbreite das Orchester hat. Nach der Einleitung scheint Tschaikowsky in eine venezianische Gondel zu steigen. Die Konzertmeisterin Indira Koch hat hier viel Platz zum Schwelgen, sie hat eine breit fließende Kantilene über gezupften Tönen. Intim und heimlich wirkt diese Passage. Dann wandelt sich die Stimmung in eine innig-religiöse. Die Streicher meiden jedes Vibrato – das Orchester klingt dann fast wie eine Orgel, weil alle Streicher so genau spielen, dass man vergisst, dass hier VIELE Musiker spielen. Eine Meisterleistung des Orchesters, denn ein Streichorchester ist schonungslos. Kein Musiker kann sich in einer wohlklingenden Mischmasse "verstecken".

Die Musiker sind ein Verbund von erstklassigen Solisten, Kammermusikern und Orchestermusikern. Die Cello-Gruppe besteht aus ehemaligen und aktiven Schülern von Wolfgang Emanuel Schmidt. Man kennt sich - und spielt sehr gern miteinander. Das hört man, denn die Musiker haben eine sehr homogene Klangvorstellung. Besonders gelungen ist das zarte Piano am Beginn der Elegie aus der C-Dur-Serenade: wie aus dem Nichts setzt der Ton ein und wird zur Melodie.

Miniaturen zwischen den Hauptwerken

Zwischen den Hauptwerken sind drei kleinere Werke zu hören, die Wolfgang Emanuel Schmidt für sein Cello und Streicher bearbeitet hat. "Die sind ehrlich gesagt spieltechnisch nicht wahnsinnig schwer; aber wie so immer bei den kleinen Stücken - sie müssen sehr auf den Punkt gebracht werden. Das ist bei kurzen Stücken viel schwerer als bei einem Cellokonzert, wo ich einen Gedanken entwickeln kann – hier habe ich nur drei Minuten, um eine Aussage zu treffen." Lieblingsstück ist für Wolfgang Emanuel Schmidt der "Oktober" aus dem Klavier-Jahreszeiten-Zyklus. Alle drei Bearbeitungen sind gelungene Tschaikowsky-Miniaturen.

Gelungen

Nachdem also die erste CD des Orchesters schon begeisterte, knüpft das Orchester an die entstandenen musikalischen Erwartungen an. Tschaikowsky und "Metamorphosen Berlin" – das passt. Ganz hervorragend.

Cornelia de Reese, kulturradio