Nowakowski - Krogulski; Montage: rbb
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CD DER WOCHE | 31.07. - 06.08.2017 - "Nowakowski - Krogulski"

Musik aus Chopins Zeit – Ein Ensemble um den argentinischen Pianisten Nelson Goerner spielt Kammermusik, die um das Jahr 1830 von den polnischen Komponisten Jozef Nowakowski und Jozef Krogulski geschrieben wurde.

Warschau - Paris

Im Klavierquintett von Jozef Nowakowski findet sich die Dramatik eines späten Beethoven, die melodische Anmut eines Johannes Brahms  und die pianistische Expressivität des polnischen Landsmanns Frederic Chopin. Chopin hat  im Jahr 1830 sein Land in Richtung Paris verlassen und ist in der französischen Hauptstadt weltberühmt geworden. Sein Freund Jozef Nowakowski dagegen ist in Warschau geblieben und vielleicht deshalb heutzutage weitgehend unbekannt, meint der an den Aufnahmen beteiligte polnische Cellist Marcin Zdunik:

Nur die Musikwissenschaftler kennen ihn. Aber weniger wegen seiner Musik, sondern weil er ein Freund von Frederic Chopin war.

Marcin Zdunik
Marcin Zdunik © Maciej Mulawa
Marcin Zdunik © Maciej Mulawa

Solist - Ensemble

Beide Komponisten, der 1800 geborene Nowakowski und der 15 Jahre jüngere Jozef Krogulski, waren exzellente Pianisten. Die  Werke auf dieser CD klingen deshalb wie Klavierkonzerte mit Kammermusikbegleitung. Der Pianist hat dabei buchstäblich alle Hände voll zu tun. Denn wenn die Streicher doch einmal in den  Vordergrund treten, übernimmt das Klavier auch noch die Funktion eines Orchesters. Diesen hochvirtuosen Klavierpart hat  der in Genf als Professor lehrende Pianist Nelson Goerner hervorragend umgesetzt, meint Marcin Zdunik: 

Nelson Görner war für das Projekt enorm wichtig. Er ist nicht nur einer der besten Pianisten Europas, sondern auch ein wunderbarer Kammermusikpartner. Ein Solist, der nicht nur auf seinen Solopart schaut, sondern sich auch für seine Mitspieler interessiert.

Marcin Zdunik

Kontrabass - Cello

In beiden Werken dieser CD findet sich eine auffällige Parallele zum "Forellenquintett" von Franz Schubert: das Streicherensemble ist nicht mit einer zweiten Bratsche, sondern mit einem Kontrabass erweitert. Diese Instrumentation bietet dem Cellisten ganz neue Möglichkeiten, meint Marcin Zdunik:

Wenn der Kontrabass die Bassstimme übernimmt, ist das Cello frei und kann stattdessen die Themen und Melodien mitspielen.

Marcin Zdunik

Nowakowski - Krogulski

Die CD präsentiert zwei weitgehend unbekannte polnische Komponisten, die mit ihren virtuosen, ausdrucksstarken und technisch sehr anspruchsvollen Werken aber durchaus eine größere Bekanntheit verdient hätten. Vor allem das Klavierquintett von Jozef Nowakowski gehört mit seiner hohen künstlerischen Qualität und seinem technischen Anspruch auf alle Bühnen dieser Welt. Aufgezeichnet in einem Studio des polnischen Rundfunks, glänzt die CD darüberhinaus mit einer hervorragenden Aufnahmequalität.

Hans Ackermann, kulturradio