Nuria Rial & Valer Sabadus: Sacred Duets; Montage: rbb
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CD DER WOCHE | 23.01. - 29.01.2017 - Nuria Rial & Valer Sabadus: "Sacred Duets"

Zwei Gesangstalente haben sich zum Duett verabredet: die katalanische Sopranistin Nuria Rial und der Countertenor Valer Sabadus singen "Sacred Duets". Keine Liebeslieder also, sondern "sakrale Duette". Die dann aber doch so einiges an Gefühl bereithalten.

Geistlich statt weltlich

Die italienische "opera seria" hätte für Nuria Rial und Valer Sabadus Duettnoten in Fülle geboten,  Liebesdramen inklusive, doch gemeinsam mit einem Musikwissenschaftler haben die beiden konsequent im Fundus der geistlichen Musik gegraben. Angefangen bei Scarlatti um die Mitte des 17. Jahrhunderts bis hin zu bislang nie aufgenommener Vokalmusik aus Oratorien von Nicola Antonio Porpora und Antonio Caldera rund 100 Jahre später. Doch interessant, wie neben den vertonten Bibelzitaten immer wieder auch Rosen oder der Liebesgott Amor auftauchen. Eine männlich und eine weiblich klingende Stimme sind nicht nötig, findet der Countertenor Valer Sabadus:

Das Entscheidende für die Wiedergabe eines Stückes ist, dass die Stimmen miteinander so gut harmonieren beziehungsweise ineinander verschmelzen, dass es mit dem Klangkörper eine Einheit ergibt. Dann ist es letztendlich egal, wie männlich oder wie weiblich die Stimme rüberkommt. Diese Harmonie macht es aus.

Valer Sabadus

Glockenheller Sopran und der Charme des Androgynen

Wer diese Kombination mag, kann sich an ihr berauschen, die Interpreten harmonieren auf das Beste, auf und ab geht es in einem Atem, in einem Schwung. Neben den sechs Arien steht die gleiche Zahl an Solo-Arien. Vor allem Nuria Rial überzeugt hier mit ihrer Natürlichkeit. Valer Sabadus brilliert mit "Si pensi alla vendetta", einer Rache-Arie von Antonio Caldara, die bislang noch nie auf CD veröffentlicht wurde. Gut möglich, dass Caldara sie einst für einen der legendären Kastraten Carestini, Faninelli oder Caffarelli komponierte – schließlich war er ihr Lehrer.

Bologna, Rom und Neapel

Die CD will den musikalischen Geist der Musikzentren Bologna, Rom und Neapel widerspiegeln und die stilistischen Veränderungen innerhalb eines Jahrhunderts aufzeigen. Es bleibt dem geübten Hörer vorbehalten die Entwicklung von der Strophenarie bei Scarlatti hin zur Da-capo-Arie bei Porpora nachzuvollziehen. Das Klangspektrum der Solisten reicht dabei von zärtlich und elegant bis virtuos und brillant, stets getragen vom Baseler Kammerorchester, das auf historischen Instrumenten begleitet.

Immer wieder fällt eines auf: die Oratorienmusik ist erstaunlich opernhaft. Und ein "Intermezzo" gibt es auch. Mit Julia Schröder an der Solovioline wird in der Mitte der CD ein Torelli-Konzert gegeben. Der Kontext erschließt sich nicht ganz  - vielleicht handelt es sich schlicht um eine Abmachung zwischen Solisten und Orchester

Ulrike Jährling, kulturradio