Ran Jia: Schubert; Montage: rbb
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CD DER WOCHE | 20.02. - 26.02.2017 - Ran Jia: "Schubert"

Unter den jungen Pianistinnen und Pianisten fällt die 27-jährige Chinesin Ran Jia durch ihre ausgeprägte Vorliebe für Schubert auf. In Berlin-Charlottenburg öffnete Sie ein Fenster nach Wien und eines nach Schanghai.

Nichts liebt die junge chinesische Pianistin Ran Jia so sehr wie Schubert. Mit seinen Sonaten wird sie sich im Berliner Kammermusiksaal gleich an vier Abenden präsentieren. Zwei von ihnen hat sie im Kleinen Sendesaal des rbb aufgenommen, garniert mit Präludien ihres Vaters Jia Daqun.

Schubert-Liebe

Ihr erstes Konzert gab Ran Jia bereits mit sieben Jahren. Mit Vierzehn wagte sie sich an Schuberts große A-Dur-Sonate heran und begegnete in ihr dem Mann ihres Lebens. Ihre Schubert-Liebe, ja –Besessenheit, führte Ran Jia nach Philadelphia, wo sie am Curtis Institute of Music studierte. Dann fühlte sie, dass sie die eigentliche Schubert-Sprache nur in Europa lernen konnte und kam nach Köln. Auch nach dem Konzertexamen lebt sie nun dort. Weiter studiert sie noch in Italien an der Internationalen Klavierakademie am Comer See.

Die chinesische Pianistin Ran Jia bei Aufnahmen im Kleinen Sendesaal; Foto: Carsten Kampf
© Carsten Kampf

Aufnahmen im Kleinen Sendesaal

Im kleinen Sendsaal des rbb macht die Pianistin ihrem Namen alle Ehre. Ran bedeutet auf Chinesisch "Natur". Nichts an ihren Interpretationen ist auswendig gelernt oder einstudiert, jeder Ton ist zugleich präsent und flexibel. Sie braucht keine Noten, um mal hier eine Nuance weicher oder dort ein bisschen abgesetzter zu spielen. Man spürt, dass sie die Werke verinnerlicht hat. So zahlt sich aus, dass sie schon in früher Kindheit Musik als ganz natürlichen Teil des Lebens erfahren hat. Schließlich ist ihr Vater in Shanghai Professor für Komposition.

Beide Sonaten, die Ran Jia im rbb-Studio aufgenommen hat, stehen in Moll. Beide fasst sie als Schauplatz innerer Kämpfe auf. Die a-Moll-Sonate sieht sie als einen Kampf im Leben, die c-Moll-Sonate gar als Kampf um Leben und Tod. Ihr Vater knüpft mit seinen Präludien musikalisch direkt daran an. So öffnet Ran Jia im Kleinen Sendesaal des rbb in Berlin Charlottenburg ein Fenster nach Wien und eines nach Schanghai. Und in beide lächelt Schubert hinein.

Dirk Hühner, kulturradio