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CD DER WOCHE | 05.06. - 11.06.2017 - Robert und Clara Schumann: Musik für Klarinette

Das Jahr 1849 hat Schumann selbst als eines seiner produktivsten Jahre bezeichnet. Zitat: "Niemals war ich tätiger, nie glücklicher in der Kunst." Schumann schrieb 1849 Werke aller möglicher Gattungen, darunter auch seine Romanzen und Fantasiestücke für Klavier und Klarinette.

"Ich liebe diese Fantasiestücke, weil sie wie Lieder ohne Worte sind. Ein Lied für das Instrument. Ich habe mich immer für Sänger interessiert und viele Schumann-Lieder gehört. Wirklich, ich wünschte, ich könnte singen, ich wünschte ich hätte die Stimme dafür! Aber wenn wir diese Fantasiestücke und Romanzen spielen – ich glaube, in diesen Momenten bin ich ein Sänger.“ So beschreibt es der französische Klarinettist Patrick Messina, der sich über 15 Jahre mit dem Gedanken an eine Schumann-CD trug.

Doch er brauchte den richtigen Pianisten. Mit Fabrizio Chiovetta hat er ihn endlich gefunden. Für die CD-Aufnahmen und das gemeinsame romantische Abtauchen in die Musik wählten die französischen Musiker einen Aufnahme-Ort in Deutschland, weit weg von ihrem Alltag. Denn Schumann zu interpretieren bedeutet, sich auf wirkliche emotionale Tiefe einzulassen.

Im Fluss

Der Fluss zwischen Klavier und Klarinette sei entscheidend, sagt der Pianist Fabrizio Chiovetta, es gebe keine konkreten Absprachen, die womöglich in tausend Notizen in den Noten münden. Patrick Messina ergänzt, dass Fabrizio auch Jazz spiele und hervorragend improvisieren könne. Das komme auch Schumanns Musik zu gute. Ihr gemeinsames Musizieren sei ein Gespräch, mit Fragen und Antworten. Und mit Tiefgang, denn die Biografie Schumanns spiele immer mit.

Einfach nur Schumann

Ein Leben, geprägt von starken Hochs und starken Tiefs, den manischen folgten zuverlässig depressive Phasen. Das Jahr 1849 ist ein gutes Jahr für Robert Schumann, eines im Produktionsrausch. Jede kleine Romanze, jedes Fantasiestück kleidet der Komponist in ein eigenes schillerndes Gewand. Den Interpreten hinterlässt er Hinweise. Zu spielen "Rasch und mit Feuer", "Lebhaft leicht" oder aber "Zart und mit Ausdruck".

Auch Transkriptionen finden sich, wie das bekannte "Abendlied", das ursprünglich für Klavier zu vier Händen komponiert wurde und für Kinder. Das Stück "Trauer" entstammt dem gleichen Zyklus und ist hier erstmals in einer Bearbeitung für Klarinette zu erleben.

Expressive Kleinode von Clara Schumann

Ganz bewusst trägt die CD den Titel "Schumann – Werke für Klarinette". Denn so findet auch Musik von Clara Schumann ihren Platz. Dem befreundeten Geiger Joseph Joachim schrieb sie 1855 in einem Brief "Auf das was folgt, kannst Du Dich ungeniert freuen". Gemeint waren ihre drei Romanzen für Violine und Klavier - expressive Kleinode, die dem romantischen Klarinettenton Messinas bestens stehen.

Am Schluss gibt es eine musikalische Unterhaltung zu dritt, wenn noch eine Bratsche zu Gast ist in Schumanns "Märchenerzählungen". Einmal mehr zeigt sich hier Schumann als "Tondichter" mit gefühlt hundert versponnenen Einfällen, jedes Stück zeigt eine andere, intensive Welt. Es ist eines der fast letzten kammermusikalischen Werke Schumanns, geschrieben vier Monate vor seinem Suizidversuch. Was uns der Komponist hinterließ, ist ein Geschenk. Und manchmal lässt es einen schwer atmen. Patrick Messina: "Wir alle haben Anteile von Schmerz, von Nostalgie, von Melancholie in uns. Musik ist ein phantastischer, ein privilegierter Weg das mitzuteilen. Und das ist die Arbeit von uns Musikern, zu versuchen in diese Musik zu gehen. Wir interpretieren Schumanns Musik nicht. Wir verkörpern Schumanns Musik."

Ulrike Jährling, kulturradio