Rococo – Musique à Sanssouci; Montage: rbb
Bild: dhm/SONY

CD DER WOCHE | 03.04. - 09.04.2017 - "Rococo – Musique à Sanssouci"

Dorothee Oberlinger ist ihrem ersten Instrument bis heute treu geblieben: mit fünf begann die Musikerin mit dem Spiel der Blockflöte. Auf ihrer neuen CD stellt sie Musik vom preußischen Hof vor.

Dorothee Oberlinger wird ab 2018 die musikalische Leitung der Musikfestspiele Potsdam Sanssouci übernehmen. Es könnte also keinen besseren Augenblick geben, jetzt Musik vom Preußenhof einzuspielen. Dorothee Oberlinger beschäftigt sich aber schon lange mit dieser Musik:

"Ich habe ja zunächst Schulmusik studiert und das Thema meiner Staatsarbeit war die Flötenmusik am Hof von Friedrich dem Großen. Und seitdem habe ich mich mit dieser Musik beschäftigt. Damals habe ich nur einige Werke gefunden, die wirklich original für die Blockflöte komponiert wurden – jetzt habe ich mehr Material!"

Das Verfeinerte in der Ornamentik

Der Titel: "Rococo". Das weckt Bilder von Puderperücken, von reich verzierten Gemächern mit weißem Stuck, der wie Schlingpflanzen an den Wänden heraufklettert und an schillernde Muschelornamente ragt.

"Und wie man es in der Kunst und der Architektur findet, so auch in der Musik – es ist eine ganz verfeinerte Musik, eine intime Kammermusik, die man da bei den Soireen im Schloss Sanssouci in Potsdam spielte. Und die Blockflöte, die ja auch sehr zupackend sein kann, wird hier anders eingesetzt, dem neuen, galanten Stil entsprechend. Hier hat man eher die pastelligen Farben gesucht. Das war für mich interessant, das Verfeinerte in der Ornamentik zu finden."

Dorothee Oberlinger beschreibt diese Epoche als den "Herbst der Blockflöte", denn das barocke Instrument wurde nach und nach von der galanten Traversflöte, der hölzernen Querflöte, abgelöst. Oberlinger beginnt ihre CD mit den letzten barocken Glanzstücken der Berliner Zeit: Musik, die die Großmutter von Friedrich II. liebte. Am Ende steht das wahrscheinlich letzte Blockflötenkonzert, das Johann Christin Schultze in Berlin komponierte.

Natürlich darf Musik von Johann Joachim Quantz nicht fehlen. Er war Flötenlehrer, Flötenbauer, musikalischer Freund und Berater von Friedrich II. Auch er war zunächst Blockflöten-Spieler als Stadtpfeifer in Merseburg, bevor er an den glanzvollen Hof nach Dresden kam. Dort traf er seinen französischen Lehrer Buffardin, der ihm die französische Spielweise, den französischen Geschmack nahebrachte und diesen dann nach Potsdam importierte.

"Ich kann mir durchaus vorstellen, dass er auch in Potsdam noch Blockflöte gespielt hat, und vielleicht sogar selber die Bassblockflöte in der von mir aufgenommenen Triosonate von Carl Philipp Emanuel Bach", so die Flötistin.

Dorothee Oberlinger, Blockflöte; © Henning Ross
Dorothee Oberlinger; © Henning Ross | Bild: dhm/SONY

Ungeahnt galanter Klang

Dorothee Oberlinger kann der Blockflöte einen ungeahnten, galanten Klang verleihen und entkräftet damit einmal mehr das Vorurteil, eine Blockflöte sei schlicht und forsch im Klang. Dabei bleibt sie nicht bei einer Blockflöte. Aus ihrem Bestand von 100 Instrumenten hat sie für diese CD neun ausgewählt. Von kleiner Sopran- bis großer Bassblockflöte ist alles dabei. "Und auch eine so genannte Voice-Flute, die genau die gleiche Tonlage hat wie eine Traversflöte, die etwas lieblicher klingt."

Neben diesem Flöten-Registerwechsel findet Dorothee Oberlinger überraschend abwechslungsreich besetzte Musik in dieser Epoche. Mal mischt sie den Klang ihrer Bassflöte mit dem der Viola von Nils Mönkemeyer oder kombiniert eine kleine Flöte mit dem Fagott bei einem in Berlin hinterlassenen Konzert von Georg Friedrich Händel.

Sie musiziert mit dem Ensemble 1700, das aus Kollegen und Freunden besteht. Viele unterrichten wie sie am Salzburger Mozarteum. Mit ihnen spielt sie regelmäßig, und so erklärt sich auch, dass ihr gemeinsames Spiel an eine abendliche Soiree erinnert, intim und einvernehmlich. Das gelingt besonders beim Concerto, das nur für Flöte und Laute gesetzt ist.

"Ernst Gottlieb Baron schrieb dieses Werk. Er war Lautenist an der Hofkapelle von Friedrich dem Großen, hier gibt es wunderbar langsame Sätze, die eher skelettartig aufgeschrieben sind, und vom Interpreten wirklich abverlangen, dann zu diesen vielleicht 40 Prozent, die aufgeschrieben sind, noch 60 Prozent an Ornamentik und Interpretation dazu zu bringen." Genau darin bestand schon damals die große Kunst!

Die CD mit den galanten Abendmusiken macht Lust auf Mehr. Lust auf weitere Konzerte mit Dorothee Oberlinger, wenn sie im kommenden Jahr das Zepter der Musikfestspiele übernimmt und vielleicht regelmäßig konzertiert – im Rokoko-Ambiente von Potsdam Sanssouci.

Cornelia de Reese, kulturradio