Sebastian Knauer: Bach and sons; Montage: rbb
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CD DER WOCHE | 08.05. - 14.05.2017 - Sebastian Knauer: "Bach and Sons 2"

Es ist die zweite CD der Reihe "Bach & Sons", in der der Pianist Sebastian Knauer Klavierkonzerte von Johann Sebastian Bach Klavierkonzerten seiner Söhne gegenüberstellt.

Bewährtes und Neues

Dieses Mal sollte unbedingt Bachsohn Wilhelm Friedemann mit von der Partie sein. Doch es kam anders. Lange hatte Sebastian Knauer in den Archiven gewühlt und war fündig geworden. Ein phantastisches Klavierkonzert in f-Moll. Dick geschrieben stand auf der Ausgabe Wilhelm Friedemann Bach. Gute Recherche indes ist immer angezeigt und schließlich bestätigten die Experten: Ein phantastisches Klavierkonzert? Ja! Aber aus der Feder von Johann Christian Bach.

So kommt es nun bei "Bach & Sons" zum gleichen Familientreffen wie auf der ersten CD. Mit dabei Carl Philipp Emanuel und eben Johann Christian. Mit den väterlichen Klavierkonzerten BWV 1055 und BWV 1056 spielt Knauer prominente Stücke und schwelgt dabei durchaus im schönen Klang. In gewohnter Weise nutzt er den großen Konzertflügel, doch er nutzt ihn sparsam, mit wenig Pedal und einem glasklaren Anschlag, der einem Hammerflügel immerhin nahe kommen soll. Auch das Zürcher Kammerorchester geht diesen eigenen Weg der historisch orientierten Aufführungspraxis. Gespielt wird auf modernen Instrumenten, stilistisch aber achtet man auf die Entstehungszeit der Kompositionen, phrasiert also historisch genau.

Sebastian Knauer im kulturradio-Studio; Foto: Carsten Kampf
Sebastian Knauer © Carsten Kampf

Niemals vergleichen!

Wohl jeder Musikmensch verneigt sich vor Johann Sebastian Bach und die Frage drängt sich auf: Können die Bach-Söhne neben dem Übervater bestehen? Auf einer CD? Natürlich reichten sie in ihrer Größe nicht heran, sagt Sebastian Knauer, aber ihre Musik sei gut! Und sowieso ging es nie um's Vergleichen. Spannend sei, die Veränderungen innerhalb der Form des Klavierkonzertes wahrzunehmen.

War bei Johann Sebastian Bach die Solostellung des Klaviers noch Neuerung, – es musste ja erst von der Aufgabe des Generalbassspiels im Konzert befreit werden – bekommt es bei Carl Philipp Emanuel Bach mit ausführlicher Orchestereinleitung sozusagen den roten Teppich ausgerollt. Bei Johann Christian wiederum ist zu spüren, warum Mozart ihn als Vorbild hatte. Sein f-Moll-Konzert lädt ein zum lustvollen Brillieren auf den Tasten und Sebastian Knauer bestätigt: "Da geht man sofort mit! Johann Christian Bach ohnehin hat ja eine Menge geschrieben, was unglaublich mitreißend ist, auch gleich im ersten Moment schon. Und von daher hat er eben auch unbedingt die Berechtigtkeit neben dem Vater Bach auch entsprechend prominent dargestellt zu werden."

Am Schluss zu dritt

Auch das selten gespielte Tripelkonzert von Johann Sebastian Bach gibt es auf der CD. Mit Daniel Hope, Violine, hat sich Sebastian Knauer einen bewährten und wie er selbst sagt "seelenverwandten" Partner dazu geholt. Flötist Philipp Jundt wurde Dritter im Bunde. Weil die Chemie stimmte. Das Menschliche, sagt Sebastian Knauer, sei ihm noch wichtiger als das Können an sich. Und ja, natürlich, auch namenstechnisch passen ein Sebastian und ein Philipp bestens zusammen auf der der Bach-Familien-CD. Die am Ende fast ein bisschen schwelgerisch klingt. In der Summe ist zu viel moderner Klang möglicherweise nicht mit historischer Spielweise aufzuwiegen. Aber muss man hier diskutieren? Unbedingt ist viel Bach-Liebe zu spüren. Wer kann, der genießt das.

Ulrike Jährling, kulturradio