Sofia de Salis: "French Impressions" © Ars | Montage: rbb
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CD DER WOCHE | 10.07. - 16.07.2017 - Sofia de Salis: "French Impressions"

Frankreich gilt als das Land des Impressionismus‘ und der Flöte. Ein Grund mehr für Sofia de Salis, ihre Debüt-CD der französischen Flötenmusik zu widmen.

Bereits als Kind wollte die aus Russland stammende junge Flötistin Französisch lernen. Ihren Freundinnen prophezeite sie, dass ihr Ehemann später französisch sprechen werde. Heute lebt Sofia de Salis in der französischen Schweiz, ist dort verheiratet und vollendet ihren französischen Traum mit ihrer ersten CD "French Impressions" - Französische Impressionen.

Französisch ist wie eine schöne Melodie

Sofia de Salis wurde in Moskau geboren. Der Vater ist ein bekannter Maler, ihre Mutter Sängerin. Sie erinnert sich, dass sie sich schon als Kind für die französische Kultur interessiert hat: "Ich war immer sehr begeistert von französischer Musik. Ich mag allgemein die Kultur und alles was aus Frankreich kommt. Das Französische ist für mich vor allem die Sprache. Sie klingt so schön. Alles ist melodisch, Und immer geht es um diese schöne Melodie. Ich liebe es."

Deshalb wollte Sofia de Salis auf ihrer Debüt-CD unbedingt französische Musik aufnehmen. Sie hat Stücke ausgewählt, die überwiegend in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts entstanden sind. In jener Zeit wurde die Querflöte als Soloinstrument wiederentdeckt.

Das Goldene Repertoire

Immer mehr renommierte französische Komponisten, wie Maurice Ravel oder Claude Debussy, interessierten sich für die Querflöte. Der schöne Ton und die vielen Klangfarben passten zu den Stimmungsbildern und Naturdarstellungen der Impressionisten. Sofia de Salis schätzt diese Epoche besonders und die Musik, die in dieser Zeit entstanden ist: "Für die Flöte ist es das goldene Repertoire. Man kann mit dem Klang spielen und verschiedene Klangfarben zeigen. Und das habe ich probiert zu machen."

Mehr als ein Solo-Album

Für Sofia de Salis sind die Stücke auf ihrer CD nicht nur Solo-Stücke für Flöte, sondern Kammermusik mit einem ebenso anspruchsvollen Klavierpart. Den übernimmt die Pianistin Elina Kachalova, die ebenso am Moskauer Konservatorium studiert hat. Die gemeinsame Arbeit sei ein großes Fest, begeistert sich Sofia de Salis. Sie spielt mit vielen Pianisten zusammen, aber bei Elina Kachalova fühlt sie sich besonders wohl: "Nicht alle Pianisten können die Flöte so gut spüren wie sie."

Das hört man dem innigen Zusammenspiel der beiden Musikerinnen an, etwa in den poetischen drei Romanzen von Claude Debussy. Ursprünglich handelt es sich um Lieder, die auf dieser CD erstmalig in einer Bearbeitung für Flöte und Klavier zu hören sind.

Sofia de Salis, Flöte; © Promo

Klangmalerei und Gesang auf der Flöte

Obwohl die Lieder von Claude Debussy für Gesangstimme geschrieben wurden, klingen sie auf der Flöte sehr schön, findet Sofia de Salis. Für die Flötistin liegen Gesang und Flötenspiel sehr nah beieinander: Man sollte immer versuchen, auf der Flöte zu singen.

Das gelingt ihr auch in der dreisätzigen Sonate "La Flute de Pan" – die Flöte des Pan - von Jules Mouquet.

Klangmalerisch lässt sie eine idealtypische Natur entstehen, in der Vögel zwitschern, Schäfer ihr fröhliches Treiben haben und Nymphen ausgelassen tanzen. Die enge Verbindung zur Natur findet Sofia de Salis typisch für die französische Kunst des Impressionismus, sowohl in der Musik als auch in der Malerei. Deshalb hat sie Museen mit impressionistischen Bildern besucht, um sich für ihr Spiel inspirieren zu lassen.

Eine breite Palette an Farben und Gefühlen

Sofia de Salis hat für ihre Debüt-CD kein Best-of-Programm gewählt, sondern berührende, zarte, temperamentvolle Stücke einer vielfältigen Epoche: Die Musik des Impressionismus aus der Perspektive einer Flötistin. Sie zeigt ein feines Gespür für dieses Repertoire. Mit großer Leichtigkeit nimmt sie virtuose Passagen und findet auch in hoher Lage einen kristallklaren Ton. Lyrische Momente wiederum kostet sie durch eine warme Tongebung aus.

Das Album bietet Kompositionen, die die Entdeckung lohnen, etwa die Sonatine für Flöte und Klavier von Pierre Sancan oder der wilde, an Atonalität grenzende "Chant de Linos" von André Jolivet. Hier zeigt die Flötistin, dass sie auch an den Stellen, an denen sie den Schönklang verlässt, technisch brillant spielt. "Die Palette von Möglichkeiten ist sehr groß auf der Flöte. Man kann extreme Emotionen zeigen, von Liebe bis zu bösen Gefühlen. Das interessiert mich sehr."

Sarah Seidl, kulturradio