Fauré Franck; Montage: rbb
Bild: Alpha | Note 1

CD DER WOCHE | 24.07. - 30.07.2017 - Fauré – Franck

Ein perfektes Team: Ein Albaner und ein Argentinier spielen Kammermusik aus Frankreich

Der Geiger Tedi Papavrami stammt aus Albanien, lebt aber seit seinem zwölften Lebensjahr in Paris. Und weil alles Französische für ihn am Anfang natürlich fremd, ja exotisch war, hat es ihn besonders fasziniert. Diese Faszination für französische Kunst und Kultur ist bis heute geblieben, auch wenn Tedi Papavrami nun schon seit 25 Jahren in Paris lebt. Kein Wunder also, dass auf seiner neuen CD französische Musik zu hören ist. Und die hat er mit einem Pianisten aufgenommen, mit dem er schon immer mal zusammen musizieren wollte: mit dem Argentinier Nelson Goerner.

Ars gallica

Nach dem verlorenen deutsch-französischen Krieg machten sich einige französische Komponisten für eine nationale Kunst stark, für eine "Ars gallica" wie sie es nannten. Diese patriotische Mission führte dazu, dass Camille Saint-Saëns 1871, also gleich nach Kriegsende die Societé Nationale de Musique gründete.

Diese Gesellschaft richtete ihr Augenmerk auch auf vernachlässigte Gattungen und Genres. Vernachlässigt, weil die Oper allzu dominant war und die Franzosen das Feld der sinfonischen Musik, des Liedes und auch der Kammermusik lange Zeit den Deutschen überlassen hatten.

Fauré hat sich unter die Meister gesellt

Seine Violinsonate in A-Dur schrieb Gabriel Fauré mit Anfang Dreißig – für ein Konzert der Societé Nationale, die Kammermusikern endlich ein Forum bot. Es ist Musik voller Charme und Verve. Mit eleganten Melodien. Immerzu in Bewegung.

Faurés Lehrer Camille Saint-Saëns war von den neuen Formen, den raffinierten Modulationen, den ungewöhnlichen Klangfarben und dem gänzlich unvorhersehbaren Gebrauch der Rhythmen hellauf begeistert und meinte, dass Gabriel Fauré sich mit diesem Werk "unter die Meister gesellt hat".

Erst vierzig Jahre später komponierte Gabriel Fauré seine zweite Violinsonate in e-Moll. Auch hier lässt der Geiger Tedi Papavrami die Melodien anmutig schweben, und unter den Händen des Pianisten Nelson Goerner strömen die Töne mit  lockerem Schwung dahin. Doch in diesem Alterswerk Faurés herrschen größere Klarheit und Einfachheit. Das ungestüme Drängen der frühen Sonate hat sich in tiefe Innerlichkeit gewandelt.

Klingendes Hochzeitsgeschenk von César Franck

Neben den beiden Fauré-Sonaten ist auf der CD auch die  Violinsonate in A-Dur von César Franck zu hören. Die kennt Tedi Papavrami seit seiner Kindheit. Er hat sie oft in Albanien im Konzert gehört. César Franck war 64, als er diese Sonate schrieb – als Hochzeitsgeschenk für einen Freund, den großen belgischen Geiger Eugène Ysaÿe. Der hat sie 1887 dort uraufgeführt, wo auch die anderen Kammermusikwerke von César Franck zum ersten Mal öffentlich gespielt wurden: in der Pariser "Societé Nationale de Musique".

Die Violinsonate von César Franck wurde vom Publikum von Anfang an begeistert aufgenommen. Und auch viele Komponistenkollegen äußerten ihre Anerkennung. Einer, der César Francks Schaffen in höchsten Tönen lobte, war Paul Dukas: "Seine Musiksprache ist strengstens individuell, mit einem Timbre und einem Akzent, die bis dahin unüblich waren und sie unter allen anderen kenntlich machen."

Ein perfektes Team

Die Violinsonaten von César Franck und Gabriel Fauré bieten beiden Musikern gleichermaßen eine Bühne. Der Geiger Tedi Papavrami und der Pianist Nelson Goerner haben ein feines Gespür für die dynamischen und vor allem für die klanglichen Raffinessen. Ein perfektes Team, um die Tiefen und Untiefen zwischen duftiger Eleganz und innerer Erhabenheit auszuloten.

Imke Griebsch, kulturradio