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CD DER WOCHE | 25.09. - 01.10.2017 - The Wave Quartet: "Bach Concertos"

Die vier Konzerte auf unserer CD der Woche hat Johann Sebastian Bach eigentlich für eine unterschiedliche Anzahl von Cembali komponiert. Das österreichische "Wave Quartet" spielt diese Musik jetzt auf Marimbaphonen, die eigentlich zu den modernen Schlaginstrumenten gehören, sich hier aber als überaus "barock-tauglich" erweisen.

Unisono mit dem Orchester, ganz dem Original von Johann Sebastian Bach folgend, spielen die Marimba-Solisten Bogdan Bacanu und Christoph Sietzen das erste Thema in Bachs d-moll-Doppelkonzert BWV 1052. Ein gelungener Auftakt für das Album, auf dem das Marimba-Quartett mit dem Orchester im "kammermusikalischen Austausch" steht, wie Christoph Sietzen die fein abgestimmte Zusammenarbeit nennt.

Kammermusikalischer Austausch

Insgesamt kann Sietzen immer noch kaum glauben, wie gut dieser Austausch zwischen dem L’Orfeo Barockorchester und dem Marimba-Quartett funktioniert. Denn mit seinem schnell verklingenden perkussiven Ton hat das Nachfolgeinstrument des westafrikanischen Balafons, das in Guatemala und auch in Japan weiterentwickelt wurde, eigentlich einen ganz anderen musikalischen Hintergrund, so wie es natürlich auch Unterschiede zwischen Cembalo und Marimba gäbe:

"Es sind ja im Prinzip zwei komplett unterschiedliche Welten, die da aufeinanderprallen: ein Barockorchester, das auf Barockinstrumenten spielt und aus dieser Welt kommt, und dann wir Marimbaphonspieler, die sich zwar sehr stark mit der Barockmusik auseinandergesetzt haben - wir spielen auch alle vier Cembalo – aber trotzdem kommen wir natürlich aus einer komplett anderen Welt."

Gemeinsamkeiten und Unterschiede

Auch wenn Cembalo und Marimba im perkussiven Klang viele Ähnlichkeiten aufweisen, beim Lautstärkeverhalten, meint Christoph Sietzen, bestünden große Unterschiede. "Bei allen Regeln, die wir versuchen einzuhalten und bei aller Vorsicht und dem Respekt gegenüber der barocken Aufführungspraxis gibt's natürlich ein paar Facetten, die die Instrumente unterscheiden. Eine ganz entscheidende ist natürlich die Dynamik! Das ist bei den Marimbas ganz extrem, weil wir wirklich eine unglaublich große dynamische Bandbreite haben und die auch ausreizen bei Bach."

So laut und kräftig die Marimbas im Vergleich zum Cembalo auch sein mögen, ihr Klang bleibt immer angenehm - undenkbar, dass ein Marimba auch mal schrill oder kratzig klingt. Aufpassen müssen Marimbaspieler allerdings bei schnellen Trillern und Verzierungen, meint Christoph Sietzen, sonst hört man an solchen Stellen das Anschlaggeräusch der Schlegel.

Ohne Hierarchie

Jeder Spieler im "Wave Quartet" ist für jeweils eine originale "Cembalistenhand" zuständig, spielt das, was bei Bach mit einer Hand auf der Tastatur angeschlagen wurde. Bei der Aufteilung der Stimmen gibt es im Ensemble keine Rangordnung, meint Christoph Sietzen, anders als etwa beim Streichquartett, wo man ja von "erster" oder "zweiter Geige" spricht:

"Kammermusik spielen ist Kommunikation. Musik ist überhaupt Kommunikation, Zuhören, Hören was der andere sagt, vor allem bei Werken von Bach, wo wirklich jede einzelne Stimme so eine Aussage hat. Man kann sich da nicht auf einen oder zwei festlegen, die dann da solistischer unterwegs sind, sondern es geht darum, dass jeder von den vieren sich einbringt, auf seine ganz eigene Art und Weise."

Klänge und Bilder

Die Cembalokonzerte von Johann Sebastian Bach lassen sich auf dieser CD als Konzerte für Marimbaphon ganz neu zu entdecken und entfalten besonders in den langsamen Sätzen eine wunderbare meditative Wirkung. Wenn die Spieler dann noch mit ihren großen Marimbas auf der Bühne stehen - jedes Instrument fast 3 Meter breit - hört man nicht nur opulente Klänge, sondern kann zusätzlich auch noch beeindruckende Bilder erleben:  "Wenn Sie uns live im Konzert sehen oder auf einem Video, werden Sie relativ schnell sehen, dass unsere Armbewegungen durch das gemeinsame Atmen und durch die gemeinsame Phrasierung oft wirklich wie eine Welle aussehen."

Hans Ackermann, kulturradio