Thibault Cauvin: "The Vivaldi Album"; Montage: rbb
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CD DER WOCHE | 27.03. - 02.04.2017 - Thibault Cauvin: "The Vivaldi Album"

In Frankreich ist der Gitarrist Thibault Cauvin längst ein Star, hierzulande kennt ihn bislang fast niemand. Doch dies könnte sich nun ändern.

Nach acht Soloplatten hat der Südfranzose nun sein erstes Album zusammen mit einem Orchester vorgelegt – und dies mit einem überaus populären Programm: Gemeinsam mit dem Orchestre de chambre de Paris präsentiert er adaptierte Mandolinen-, Lauten- und Violinwerke von Antonio Vivaldi.

Sunnyboy spielt sonnige Musik

"Wenn ich Vivaldi höre, zaubert mir das jedesmal ein Lächeln ins Gesicht", erklärt Cauvin. Erklärtes Ziel seiner CD ist es, Musik zu präsentieren, die den Hörer glücklich macht. Vivaldis beschwingte Klänge passen perfekt zu dem 32-jährigen Sunnyboy mit dem dünnen Oberlippenbärtchen und dem verschmitzten Lächeln.

Cauvin hat keinen festen Wohnsitz und reist von Konzert zu Konzert, wobei er in Hotels oder bei Freunden wohnt, die er überall auf der Welt hat. Kürzlich hat er eine spezielle "Magic Tour" gestartet, mit Auftritten an besonderen Orten, vom Eiffelturm bis nach Nordafrika und Asien. Und wenn er nicht mit Musik beschäftigt ist, sucht er einen Strand zum Surfen.

Thibault Cauvin; © SONY/Bernard Benant
© SONY/Bernard Benant | Bild: SONY Classical

Wettbewerbs-Rekordsieger

Zur Gitarre kam Thibault Cauvin im Alter von fünf Jahren durch seinen Vater, einen Rockgitarristen. Die klassische Ausbildung in seiner Heimatstadt Bordeaux und in Paris befähigte den begabten Sohn zu Erfolgen bei Dutzenden von Wettbewerben. Insgesamt hat er 36 Preise bei internationalen Wettbewerben gewonnen – kein anderer Nachwuchsgitarrist war je erfolgreicher!

Sein Erfolgsgeheimnis: Er sei immer ganz naiv und ohne Konkurrenzgefühl an die Sache herangegangen. Die langen Fahrten im Familienauto zu den Wettbewerbsorten schürten in ihm auch die Lust am Reisen – heute empfindet er oft genauso viel Vergnügen am Reiseleben wie an den Auftritten an den Zielorten.

Von der zeitgenössischen Musik zur Klassik

Durch seinen Vater sowie Familienfreunde wurde Thibault Cauvin mit vielfältigen Formen von Rockmusik, Jazz und zeitgenössischer "Ernster Musik" vertraut gemacht. Auf seinen Soloalben bilden Werke von Komponisten das 20. Jahrhunderts den Schwerpunkt, doch über Aufnahmen mit Musik von Isaac Albéniz und Domenico Scarlatti ist er nun mit Vivaldi beim Standardrepertoire des Bereiches "Klassik" angelangt. Und erstmals stellt er eine Aufnahme zusammen mit einem Ensemble vor.

Cauvin erklärt dazu: "Es geht mir darum, klassische Musik in die Gegenwart zu übertragen. Und da ich auf einer modernen Gitarre spiele, wollte ich auch mit einem modernen Orchester arbeiten, mit der Energie und dem Sound heutiger Instrumente."

Zwischen Virtuosität und Schönklang

Spieltechnisch stellen Vivaldis für Gitarre adaptierte Mandolinen- und Lautenkompositionen an einen Virtuosen wie Thibault Cauvin nicht die allerhöchsten Ansprüche – bis auf die schnellen Läufe.

Das vom jungen Dirigenten Julien Masmondet geleitete 15-köpfige Orchestre de chambre de Paris zeigt, wie sehr auch moderne Orchester inzwischen von der historischen Aufführungspraxis beeinflusst sind. Dennoch ist es wohl unausweichlich, dass trotz kleiner Besetzung und bewusster Artikulation der weiche Schönklang des modernen Instrumentariums dominiert, im Gegensatz zum vielschichtigen, herberen Sound von Alte-Musik-Ensembles bei diesem Repertoire.

Die Gefahr der klanglichen Gleichförmigkeit wird aber von den sanglichen langsamen Sätzen in den vier einspielten Concerti und von den beiden selten zu hörenden Triosonaten am Ende der CD abgewendet.

Besonderes Instrument

Vivaldis Konzert für zwei Mandolinen bestreitet Cauvin zusammen mit der in London lebenden chinesischen Gitarristin Xuefei Yang. Dieser spielt eine herkömmliche akustische Gitarre, im Gegensatz zum Instrument Cauvins – der anders als viele Profimusiker kein Instrumentensammler ist, sondern nur eine einzige Gitarre besitzt. Diese hat ihm Jean-Luc Joie gebaut, den Cauvin als "Einstein des Instrumentenbaus" bezeichnet, und dieser hat dafür ein besonderes System der elektrischen Verstärkung erfunden.

Tonabnehmer innerhalb des Korpus nehmen das Signal ab und senden es drahtlos an einen kleinen Lautsprecher, der in alle Richtungen abstrahlt. Man merke die Verstärkung überhaupt nicht, betont der Solist, doch der Ton werde dadurch voluminöser und farbiger und er könne dadurch nicht nur in großen Sälen auftreten, sondern auch inmitten des Orchesters spielen.

Rainer Baumgärtner, kulturradio