Joyce DiDonato: In war and peace; Montage: rbb

CD DER WOCHE | 21. - 27.11.2016 - "In War & Peace"

Joyce DiDonato hat auf ihrer neuen CD barocke Opernarien versammelt, die von enormen Emotionen geprägt sind, sich zwischen dem Gefühl von Aufgewühlt sein und innerer Ruhe, zwischen "Krieg und Frieden" bewegen.

Die Sängerin Joyce DiDonato hat ihre CD ganz bewusst mit diesen starken Worten überschrieben: "In War & Peace". Sie versammelt 15 Barockarien, die zwischen tiefen menschlichen Emotionen pendeln. "Wenn das im Sturm beschädigt Schiff endlich den Hafen erreicht, bleibt nichts mehr zu wünschen übrig" singt Joyce DiDonato als Kleopatra, und dann: "So ist auch das Herz, wenn es nach Leid und Tränen Trost findet, wieder voller Glückseligkeit." Eine Arie aus Händels Oper "Julius Cäsar". Joyce DiDonato hat sie an den Schluss ihrer CD gesetzt,  ganz klar als ein Zeichen der Zuversicht.

Im Booklet schreibt die amerikanische Mezzosopranistin davon, dass sie sich in dieser Welt, im Jahr 2016, durchaus versucht sieht, in Pessimismus zu versinken, dabei sei sie doch eine Optimistin! Und dann bringt sie die Musik ins Spiel. Haben die großen Komponisten in ihren Opern nicht schon immer diese zwei Pole abgebildet? Unsere menschliche Natur zum Klingen gebracht, zwischen Konflikten und Aufruhr und der Sehnsucht nach Frieden? Joyce DiDonato hat die von ihr ausgewählten Arien in zwei Blöcke sortiert: Der zweite Teil der CD ist überschrieben mit Peace, Frieden. Der erste mit War, Krieg.

Joyce DiDonato: In war and peace © Warner Classics / Erato
© Warner Classics / Erato

Ein Ton, der berührt

Die Sopranistin beherrscht es meisterlich, ihre Stimme je nach Gemütsverfassung einzufärben. Da können Zorn, Angst, Mut und Mutterliebe in einer Arie erklingen, wie in der Arien aus "Andromaca", einer Oper von Leonardo Leo, die sich dem griechischen Tragödienstoff um Andromache widmet und eine CD- Ersteinspielung ist. Joyce DiDonato schlägt den Bogen in die Gegenwart, wenn sie im Booklet ihrer CD explizit die Hörer*innen fragt:  "In all dem Chaos, wo finden sie Frieden?" 

Der Arie Lascia chi'io pianga aus Händels Rinaldo kann sich wohl kaum jemand entziehen, auch wenn sie tausendfach gehört ist, nicht zuletzt als Herzensmelodie im Barock-Film "Farinelli". Joyce DiDonato singt mit wenig Vibrato und dafür mit leicht rauhem Ton, der schlicht berührt. So wie der Text. "Lass mich weinen"

Didonato singt zupackend und überzeugend

Sich nicht den Ängsten unterwerfen, sondern die Gelassenheit wählen. Tatsächlich ist es das, was die Sängerin uns mitgeben möchte. Auf ihrer Facebook-Seite spricht sie davon, dass "Heilung" möglich ist, ihr Beitrag sei die Musik. Emotion, Weltschmerz und Produktwerbung - der Grat ist schmal, es lauert der Kitsch. "Harmonie durch Musik" ist als Untertitel im Hardcover der CD zu lesen. Damit tut sich die Sängerin keinen Gefallen, denn keinesfalls gehört ihre CD in die Wellness-Sparte. Im Gegenteil.

Das Programm würde auch ohne großen Überbau, ohne Konzept funktionieren. DiDonato singt zupackend und überzeugend, Monteverdi, Leo, vor allem aber Händel und - fast liedhaft -  Bühnenmusik von Purcell. Insgesamt 15 Arien hat sie ausgewählt und man achte auf die Gewichtung: 7 stehen für "War".  Aber 8 stehen für "Peace"

Ulrike Jährling, kulturradio