Andrea Schomburg: "Der halbste Held der ganzen Welt"; Montage: rbb
Bild: Sauerländer Verlag

Ab 8 Jahren - Andrea Schomburg: "Der halbste Held der ganzen Welt"

Ein ganz großartiger Kinderroman, mit dem man Kinder auf keinen Fall alleine lassen sollte – denn sonst würde man eine wunderbare Geschichte verpassen!

Paul, der "halbste Held" aus dem Titel des Buches, hat ständig die Nase voll: Weil er immer Schnupfen hat und weil er in seiner neuen Schule gemobbt wird.

Eine Fee und das blaue Wunder

Aber dann, als er sich vor seinem Peiniger Matze Motzmann auf dem Schulklo versteckt, schwebt plötzlich eine kleine Frau mit grauem Dutt, braungeränderter Brille, rotkarierter Schürze und schillernden Libellenflügeln etwa einen Meter über dem Toilettenpapierhalter, flucht und schimpft wie ein Rohrspatz, behauptet aber eine Fee zu sein.

Sie mag Paul, hält ihn für mutig und klug und will ihm den Weg zum blauen Wunder zeigen, das ihn ein für alle Mal von all seinen Sorgen befreien wird, sobald er es hat. Der Weg dorthin ist zwar gefährlich, aber er bekommt einen Helfer und Weggefährten an die Seite gestellt.

Der Haken

Der Haken: Wenn er das blaue Wunder nicht in genau drei Tagen gefunden hat, tritt genau das Gegenteil ein – alles, was ihn plagt, wird noch schlimmer. Erst zögert und zaudert Paul, aber dann denkt er sich, schlimmer als jetzt kann es nicht werden, und stimmt zu – um das gleich darauf bitter zu bereuen.

Denn der Weg, den die Fee ihm beschreibt, beginnt mit einer Bushaltestelle auf dem Dach – wie soll das gehen? – und sein Weggefährte ist alles andere als ein Held, sondern nur ein kleiner Elefant, der zwar stark aber total ängstlich ist.

Eine aufregende, spannende, abenteuerliche Reise

Aber ein Zurück gibt es nicht mehr, und so machen sich die beiden auf eine aufregende, spannende, abenteuerliche Reise voller Überraschungen. Sie müssen schwierige Entscheidungen treffen, gewaltige Hindernisse und tödliche Gefahren überwinden. Sie brauchen Fantasie, Witz, Mut, gegenseitige Hilfe, Freundschaft und Zugewandtheit, um den Weg zu meistern und schließlich das blaue Wunder zu finden.

Ein Feuerwerk von Ideen und Wörtern, von Witz und Fantasie

Nicht nur die Stationen der Reise – ein Bus, der nur alle 13 Jahre lang anhält, ein blauer Geist, ein Erdbeben, eine Fischbratbude mit einer Frau, die auf einen Prinzen wartet, der gemeine Zauberer Ritter Gotthold mit seinem Kammerdiener und Fritz Robert Runkelschwein, dessen Gestank einen auf Nimmerwiedersehen in dunkle Bilder fallen lässt – sondern auch die Art und Weise, wie die Autorin diese Geschichte erzählt, ist ein Feuerwerk von Ideen und Wörtern, von Witz und Fantasie.

Worum es eigentlich geht

Und wenn man hinter die Bilder, hinter die Fantasien, hinter die Reisestationen guckt, sieht man, dass es eigentlich um menschliche Beziehungen, um Ängste und ihre Bewältigung, um Gewalt und sich dagegen Wehren, um Freundschaft, Offenheit und gemeinsames Tun geht.

Ein ganz großartiger Kinderroman, mit dem man Kinder auf keinen Fall alleine lassen sollte – denn sonst würde man eine wunderbare Geschichte verpassen! Also lieber Vorlesen, und das am besten in einem größeren Kreis.

Heike Brandt, kulturradio

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