Andrea Schomburg: Lisa und das Fluff; Montage: rbb
Tulipan Verlag
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Ab 7 Jahren - Andrea Schomburg: "Lisa und das Fluff"

Das blaue kuschelige Filzbällchen mit dem breiten Lachmund und den schwarz-weißen Kulleräugelchen – das ist das Fluff.

Zunächst muss Ich-Erzählerin Lisa ohne das Fluff auskommen und weiß nicht, wie sie dem Stress begegnen soll, mit dem sie konfrontiert wird. Ballett, Reiten, Klavier, Mathe-Nachhilfe, all das muss sie nach der Schule noch stemmen. Mit Freude ist sie nicht dabei, sie hätte gerne mehr Ruhe.

Während ihre Eltern fit und dynamisch durch den Tag federn und der große Bruder ihr als Überflieger, dem sein Pensum spielend leicht gelingt, ein Vorbild ist, beschleicht Lisa das Gefühl, gar nicht zu dieser Familie zu gehören.

Lisa ist langsam, gründlich, gedankenverloren und mit einer blühenden Phantasie gesegnet. In einem traurigen Moment filzt sie das Fluff aus blauer Wolle. Und das ist ganz ähnlich gestrickt wie sie, es wird ihr treuer Begleiter, der ihr, wann er nur kann, tröstend zuflüstert: "Nu mal langsam, nu mal immer mit der Ruhe".

Dieser Schlüsselsatz eröffnet Lisa den Zugang zu ihrer inneren Kraft. Autorin Andrea Schomburg zeigt ihren jungen Lesern direkt und nicht verniedlichend, in welchem Dilemma ein jeder einmal stecken kann. Kann man die hohen Erwartungen erfüllen, die in der Familie an einen gestellt werden? Oder entsprechen sie der eigenen Persönlichkeit zu wenig? Hat man noch keine Mittel, um sich zu erklären? Was, wenn man so gar keinen Ausweg aus diesem Konflikt sieht?

Das erzählt Lisa uns in aller Klarheit und wählt die Flucht. Dabei konnte ihr das Fluff so behilflich dabei sein, mit ihm zu ordnender Ruhe zu finden. Zum ersten Mal schafft sie die Mathe-Arbeit – nicht als Schnellste und Beste, aber Schritt für Schritt kann sie die Aufgaben bewältigen.

Ihre kleinen Etappen-Siege werden aber übergangen, selbst als sich für sie endlich eine echte tiefe Freundschaft zu dem Mädchen Salome anbahnt, funkt die Mutter dazwischen: Der letzte freie Nachmittag soll auch noch mit Ballettstunden zugestopft werden. Was für eine Erleichterung, dass alles zu einem guten Ende kommt.

Überzeugend, dass es kein einfaches Happy End ist, sondern die Leser Drehungen und Wendungen erleben, fernab von äußerem Abenteuer. Hier geht es um die Innenwelt der kleinen Heldin, die genau das ist: eine Heldin. Sie schafft es, ihrer Familie ihr wahres Ich zu zeigen und dafür endlich die Anerkennung und Liebe zu erfahren, die ihr gebührt.

Sonja Kessen, kulturradio

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