Benjamin Tienti: "Salon Salami - Einer ist immer besonders"; Montage: rbb
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Roman - Benjamin Tienti: "Salon Salami - Einer ist immer besonders"

Ein erfrischender, witziger, spannender Neukölln-Roman für Kinder im besten Alter!

Das Buch beginnt turbulent und verliert danach nie an Fahrt: Die 12-jährige Hani verübt mit einem Gemüsemesser bewaffnet einen Banküberfall und scheitert kläglich - so sieht es jedenfalls am Anfang aus. Allerdings wollte sie kein Geld erbeuten, sondern ins Gefängnis gebracht werden, weil sie zu ihrer Mutter will. Denn Hani hat gerade erfahren, dass ihre vor einiger Zeit plötzlich verschwundene Mutter dort ist.

Unkonventionell

Ohne die Mutter ist das Leben schwer, der Vater muss den Friseursalon alleine betreiben, und Hani muss sich um Haushalt und den kleinen Bruder kümmern – alle drei sind eindeutig überfordert von der neuen Situation.

Nach dem versuchten Banküberfall gerät Hani an eine Sozialarbeiterin, die sofort versteht, dass das ein Hilferuf war, und entsprechend handelt – unkonventionell, nicht immer den Vorschriften entsprechend, aber so, dass Hani ihre Hilfe akzeptieren und dennoch ihre eigenen Wege gehen kann, ohne jemanden zu verraten. Denn ihre Mutter ist nicht ohne Grund im Gefängnis: Bei ihr wurde Haschisch gefunden, mit dem aber nicht sie, sondern Hanis geliebter Onkel Ibo dealt.

Eigenwillige Moral

Hanis Entschlossenheit, Klugheit und Fantasie sowie die Unterstützung der wirklich zugewandten Sozialarbeiterin führen dazu, dass die Geschichte trotz aller schwierigen Probleme einen guten Ausgang nimmt - auch dieser sehr unkonventionell, keinen Vorschriften entsprechend, Hanis eigenwilliger, aber durchaus nachvollziehbarer Moral folgend.

Bernhard Tientis Debüt ist ein Kinderroman, der in einem sogenannten Problemkiez spielt und völlig frei ist von Klischees, von den üblichen Zuschreibungen, von einem erhobenen Zeigefinger oder einem verständnisheischendem "Die sind nun mal so!".

Bildhaft, witzig, direkt

Bernhard Tienti erzählt sehr differenziert, mit einer Fülle von überraschenden Wendungen von Menschen - Familien, Kindern und Erwachsenen - in Neukölln, die gemeinsam versuchen, ihr Leben so gut wie möglich zu gestalten. Die öffentlichen Institutionen funktionieren so gut oder so schlecht, wie die dort tätigen Menschen darin agieren.

Die Sprache ist bildhaft, witzig, direkt und bisweilen drastisch, dabei immer voller Wärme und Zugewandtheit. Der Autor ist ganz und gar bei seinen Personen und lässt sie in dem, was sie tun und sagen so lebendig werden, als wären sie unsere Nachbarn.

Heike Brandt, kulturradio

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