Frauke Angel: Mama Mutsch und mein Geheimnis; Montage: rbb
Jungbrunnen
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Ab 8 Jahren - Frauke Angel: "Mama Mutsch und mein Geheimnis"

"Gunnar ist mein Vater, und eigentlich sage ich Papa, aber wenn er es nicht hört, nenne ich ihn lieber Gunnar."

In letzter Zeit sagt der achteinhalbjährige Lelio immer öfter Gunnar zu seinem Vater, denn der Papa, der ihn hören könnte, ist immer seltener zu Hause, oft auch nachts nicht. Eine Mama hat der Junge nicht, die ist gestorben, als er noch ein Baby war, erinnern kann er sich nicht an sie.

Die Autorin erzählt die Geschichte als eine Art Monolog Lelios, in dem er von seinem immer schwieriger werdenden Alltag spricht und über essentielle Fragen seines Lebens nachdenkt. Beim Lesen entsteht ein faszinierender Sog, der einen immer tiefer in das Leben dieses kleinen Jungen hineinzieht.

Ein hoffnungsvolles Ende

Das Buch beginnt damit, dass Gunnar wiedermal nicht zu Hause und der Kühlschrank leer ist. Und dass im Haus gegenüber eine Frau einzieht, die auf Lelios neugierige Blicke amüsiert und freundlich reagiert. Diese "Mama Mutsch", wie er sie später nennt, ist Wissenschaftlerin und forscht über Kieselalgen. Sie ist dem Jungen gegenüber so zugewandt (nicht nur mit Worten und Gesten, sondern auch mit Nahrung), dass er ihr schließlich sein Geheimnis – die Probleme mit dem Vater – anvertraut.

Und so kann sie zu seinem Rettungsanker werden, als sich alles dramatisch zuspitzt – der Vater ist süchtig nach Crack und vergisst darüber sein Kind. Am Ende kommt der Vater in eine Entzugsklinik, der Junge darf solange bei Mama Mutsch wohnen. Ein ausgesprochen hoffnungsvolles Ende, vielleicht ein extremer Einzelfall. Aber möglich.

Keine Sozialschmonzette

Mama Mutsch erklärt dem Jungen, was es mit Drogen – sie zählt auch Alkohol dazu – auf sich hat, was Drogen mit Menschen machen und was es für Auswege gibt. Die Worte, die die Autorin sie dafür finden lässt, sind großartig – klar, verständlich, offen und nicht im mindestens moralinsauer. Ein Novum in der Kinderliteratur. Wie auch die Tatsache, dass hier endlich mal das Thema Kinderarmut behandelt wird, ohne dass eine "gut gemeinte" Sozialschmonzette dabei herauskommt.

"Genau das richtige Buch für Kinder in meinem Alter, ein richtiger Kinderkrimi!", sagte mein achteinhalbjähriger Enkel begeistert, als ich nach zweistündigem Vorlesen das Buch zuklappte.

Heike Brandt, kulturradio