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14 - 17 Jahre - Julya Rabinowich: "Dazwischen: Ich"

So wie ihr geht es im Moment ungefähr 20 Millionen Kindern und Jugendlichen auf der ganzen Welt: Madina, der Heldin des Jugendromans "Dazwischen: Ich". Sie ist mit ihrer Familie vor Krieg, Hunger und Bombenhagel geflohen.

Jetzt lebt sie in einer Flüchtlingsunterkunft irgendwo in Europa, geht dort zur Schule, verknallt sich in einen Jungen und verbringt jeden Tag mit ihrer allerbesten Freundin Laura.

Aufgeschrieben hat diese Geschichte die österreichische Autorin Julya Rabinowich. Sie war sieben Jahre alt, als sie mit ihren Eltern aus St. Petersburg floh: "Entwurzelt und umgetopft" sagt sie. Flucht ist eine Erfahrung, die die Autorin schon mehrfach in ihrem Werk verarbeitet hat, so zum Beispiel in dem Roman "die Erdfresserin". Doch sie schreibt dabei nicht nur über ihre eigene Erinnerung: Julya Rabinowich ist auch gelernte Simultanübersetzerin und übersetzt Psychotherapie-Sitzungen für geflohene Menschen.

"Dazwischen: Ich" ist der erste Jugendroman der Schriftstellerin. Julya Rabinowich wählt die Form eines Tagebuchs und erzählt so sehr konkret und direkt davon, was es heißt "dazwischen" zu sein: zwischen Kindheit und Erwachsenenalter, zwischen Vater und Mutter, zwischen knutschenden Pärchen auf dem Schulhof und der schäbigen Flüchtlingsunterkunft, für die sie sich schämt.

Leider verrät Julya Rabinowich nicht, woher ihre Heldin kommt. Und so geraten die Verbote des Vaters, der Nachbar, der zum Dschihadisten wird, und der kleine Bruder, der auf einmal auf seine doppelt so alte Schwester aufpassen soll, zum Klischee.

Dennoch ist "Dazwischen: Ich" ein hochaktuelles und lesenswertes Buch. Sehr konkret wird die Autorin dann, wenn es zum Beispiel um die Beschreibung des Traumas geht, in das Madina eines Nachts zurück geholt wird: Wie das Mädchen die Beine umklammert, dass es am nächsten Tag blaue und rote Flecken hat - das geht beim Lesen durch Mark und Bein.

Und es ist eine Geschichte, deren Ausgang man unbedingt wissen will: Am Ende geht es um Leben und Tod. Und Madina ist immerhin in einer Hinsicht nicht mehr "dazwischen": Ihre Erfahrungen haben sie erwachsen werden lassen. Eine starke junge Frau, die gelernt hat, für ihre Ziele zu kämpfen.

Julia Riedhammer, kulturradio