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Ab 7 Jahren - Stephanie Schneider: "Wunschpost für Ida"

Die Liebe kennt kein Alter – das erfährt Ida, als sie Jost kennenlernt. Er grinst sie neugierig an. Sie sagt nichts. Sie würde gerne, aber sie kann nicht. Sie kann nur gucken. Und feststellen, dass sie von seinen dunkelschwarzen Augen so ein komisches Gefühl bekommt, ein leichtes, irgendwie kribbeliges, das sich wie ein Geheimnis anfühlt.

Das ist neu für Ida, die sonst keine Geheimniskrämerin ist. Als Ich-Erzählerin nimmt sie uns unmittelbar und unverblümt mit in ihr Leben und verrät, dass ihre Mutter eine riesige Putzerei mache, nur, weil irgend so eine Freundin von früher zu Besuch kommt. Als diese Freundin vor der Tür steht, hat sie ihren Sohn dabei, Jost, im gleichen Alter wie Ida…

Autorin Stephanie Schneider legt eine zarte Erzählung über das erste Verliebtsein vor – was für ein schönes Thema in der ABC-Reihe für Leseanfänger! Diese werden in ähnlichen Reihen nur zu oft mit den beliebig-beliebten Themen Fußball, Hexen, Ponys o. ä. abgespeist. Stories, in denen eine vorhersehbare Handlung konstruiert wird, um das Lesen zu üben. Hier in diesem Buch aber hat die Autorin eine wirkliche Geschichte zu erzählen über Gefühle, Zusammenleben und das Reiferwerden, kurz: über das innere Erleben der kleinen Ich-Erzählerin.

Dafür findet sie schlichte Worte und treffende Motive. Ob Jost sich auch in Ida verliebt, das erfahren wir nicht. Aber wir sehen, wie gut die Kinder sich auf Anhieb verstehen, wie vertieft sie Flaschenpostamt, Blätterbriefschreiben und später Flugpostamt spielen – diese Motive zeigen, dass sie sich verbunden fühlen und in Verbindung bleiben wollen. Sie bringen Idas Gefühl des Leichten, Schwebenden zum Ausdruck. Am liebsten würde sie nach seiner Abreise zu Jost fliegen, so, wie die Herzwolke auf dem Cover des Buches.

Mit ihren kolorierten, in leichten Pastelltönen gehaltenen Zeichnungen trifft Illustratorin Daniela Bunge die Farbe des Erzähltons. Mit wenigen Strichen holt sie verschiedenste Facetten aus den Figuren hervor, in Nuancen wirken die feinen Gesichter mal kindlicher, mal reifer. Die Bilder spiegeln die leise Melancholie der Sehnsucht genauso wie das Tempo der Ereignisse oder die lustigen Momente und lakonischen Kommentierungen. Besonders schön: der Titantic-Moment am Ende der Geschichte. Ida und Jost treffen sich wieder. Froh stehen sie mit ausgestreckten Armen an der Balkonbrüstung, und Ida spürt: Jetzt könnte sie fliegen. Aber jetzt will sie dableiben. Bei Jost.

Sonja Kessen, kulturradio