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Ab 5 Jahren - Zoran Drvenkar: "Weißt du noch"

Jede Doppelseite dieses Buches beginnt mit dem Satz "Weißt du noch", dann entwirft Drvenkar fantasievolle Szenen, die oft ins Surreale kippen, oft lustig sind - und darum nie kitschig werden ...

Es ist ein Abenteuer, auf das einen dieses Buch mitnimmt: Eine Welt, in der Raben über Menschen lachen, weil sie keine Flügel haben, in der Gras wie ein Meer aus Taschenlampen funkelt und Kühe durch die Gegend fliegen und dabei ihre Euter verlieren. Der Schriftsteller Zoran Drvenkar, der auch blutrünstige Thriller für Erwachsene schreibt, hat ein poetisches Kinderbuch geschrieben. Hier geht es um Liebe statt um Leichen.

Gemeinsam durch die Welt

Das Buch erzählt von den Erlebnissen eines kleinen Jungen und eines Mädchens, die gemeinsam durch die Welt ziehen. Sie haben keine Angst, weil sie sich haben und weil die Neugier stärker ist, als alles andere. Und so erleben sie wundersame Dinge: Auf einem Berggipfel spielen Ziegen Karten, Regentropfen schmecken nach Pfefferminze oder salzig wie Tränen und ein Hund legt schon mal einen Stepptanz hin, statt böse zu knurren. Und wer ist dieser Zwerg mit den Korken auf der Mütze?

Rhythmische Sprache

Keines dieser Rätsel wird aufgelöst und doch ist alles miteinander verbunden. Jede Doppelseite beginnt mit dem Satz "Weißt du noch", dann entwirft Drvenkar fantasievolle Szenen, die oft ins Surreale kippen, oft lustig sind - und darum nie kitschig werden. Wie in einer Ballade fügt sich so in wunderbar rhythmischer Sprache ein Bild ans nächste.

Die ganze Welt - ein Wunder

In bunten, flächigen Aquarellen hat Jutta Bauer diese Szenen illustriert. Ihnen gegenüber stehen schlichte Bleistiftzeichnungen, die ein altes Ehepaar in unterschiedlichen Situationen zeigen: beim Karten spielen, auf einer Bank sitzend oder unter beim Spaziergang unter einem Regenschirm. Und so stellt man beim Lesen die Verbindung her: Es muss dieses alte Paar sein, das sich an früher erinnert, an die Zeit, als sie jung waren und verliebt - und die ganze Welt wie ein Wunder wirkte.

Julia Riedhammerr, kulturradio