Klavierquartette von Brahms, Fauré und Schnittke; Montage: rbb

CD DER WOCHE | 22.02. - 28.02.2016

Johannes Brahms, Gabriel Fauré, Alfred Schnittke – Klavierquartette

Drei Berliner Philharmoniker und eine französische Pianistin haben sich zusammengetan zum Berlin Piano Quartet. Nun ist die erste CD dieser jungen Kammerformation erschienen, aufgenommen im Haus des Rundfunks.

In der Kammermusik haben die französischen Komponisten Ende des 19. Jahrhunderts einen eigenen, unverwechselbaren Stil gefunden: raffiniert, elegant, fließend. Hier spiegelt sich das Lebensgefühl, das in den Pariser Cafés, Salons und Künstlerkreisen herrschte. Einige der bezauberndsten Kammermusikwerke des französischen Fin de Siècle stammen von Gabriel Fauré.

Seine Musik habe "Elan", schwärmt Christophe Horàk vom Berlin Piano Quartets. Damit meint er den Schwung, der Faurés erfrischende Kompositionen auszeichnet. Der Geiger stammt aus der französischen Schweiz und hat bereits als Kind Musik des französischen Komponisten gespielt und geliebt.

Diese Begeisterung teilt er mit Bruno Delepelaire, Cellist des Quartetts. Jener schlug Faurés 1. Klavierquartett für das Debüt-Programm vor. Als sich das Berlin Piano Quartet formiert hat, ist der Franzose gerade bei den Berliner Philharmonikern zum 1. Solo-Cellisten gekürt worden. Christophe Horàk spielt bereits seit 15 Jahren in dem Spitzenorchester. Seit geraumer Zeit ist er zudem Mitglied im Scharoun-Ensemble, der traditionsreichen Kammer-Auskopplung der Berliner Philharmoniker.

Dort kam er mit dem Bratschisten Micha Afhkam in Kontakt. Der gebürtige Freiburger regte die Gründung eines Klavierquartetts an – auch wegen der langjährigen erfolgreichen Zusammenarbeit mit seiner Kammermusikpartnerin, der französischen Pianistin Kim Barbier.

Sinfonischer Klang in Kammerbesetzung

Wenn drei Berliner Philharmoniker in einem Quartett spielen, dann hinterlässt das seine klanglichen Spuren. Denn auch beim Spiel in Kammerbesetzung haben die Musiker den sinfonischen Klang des großen Orchesters im Ohr.

Genießerisch und mit sehr viel Gefühl begeben sich die Streicher ganz in die Musik hinein und zeigen mit ihrem satten, runden, voluminösen Klang eine Präsenz, dass der Eindruck entsteht, die Pianistin würde von einem Orchester begleitet. Schönheit ist höchstes Gebot.

Jugendliches Temperament

Das gilt ebenso für Brahms – ein Muss auf der ersten CD des Berlin Piano Quartets. Mit dem 1. Klavierquartett hatte der Komponist selbst mit damals knapp 30 Jahren sein Debüt in Wien. Es wurde ein voller Erfolg. Vor allem das feurige Schluss-Rondo alla Zingarese riss die Konzertbesucher von den Stühlen.

Brahms habe in seiner jugendlichen Euphorie und Experimentierfreude Grenzen ausprobieren wollen, ist Christophe Horàk überzeugt. Deshalb sei gerade der berühmte Zigeuner-Satz aus dem Klavierquartett nicht ganz ernst gemeint. Zugleich weckt er die Spielfreude der Musiker, die sich mit Virtuosität und Schmiss ins Zeug legen.

Offen für neue Töne

Als modernen Akzent zwischen Fauré und Brahms haben die Musiker des Berlin Piano Quartets einen Quartettsatz des Komponisten Alfred Schnittke ausgewählt, der 1998 verstorben ist. Hier handelt es sich um die Bearbeitung eines Fragments, das der 17-jährige Gustav Mahler begonnen hat.

Der deutsch-russische Komponist Alfred Schnittke bemühte sich darum, das Fragment im Sinne Mahlers zu vollenden. Obwohl ihm das nicht gelungen ist, hat er ein neues Stück für Klavierquartett geschaffen, das den kompositorischen Gestus Mahlers trägt. Es sei "das gleiche Universum", in dem er mit derselben Leidenschaft musizieren könne wie bei Mahler, sagt Christophe Horàk.

Neue Musik wird auch in Zukunft zum Repertoire des Berlin Piano Quartets gehören, denn Stücke für diese Besetzung sind dünn gesät. Deshalb hat das Berlin Piano Quartet bereits Kompositionsaufträge vergeben. Schließlich haben die vier Musiker gemeinsam langfristige Zukunftspläne.

Sarah Seidl, kulturradio

© Rundfunk Berlin-Brandenburg

http://www.kulturradio.de/programm/musik/cd_der_woche/Klavierquartette-von-Brahms-Faure-und-Schnittke.html

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