Julia Lezhneva: "Händel"; Montage: rbb

CD DER WOCHE | 09.11. - 16.11.2015

Julia Lezhneva: "Händel"

Singen, so leicht, wie ein Geigenbogen, der über die Saiten hüpft. Wie das geht, zeigt die junge russische Sopranistin auf ihrer neuen CD mit frühen italienischen Werken Händels.

Julia Lezhneva gilt als Ausnahmetalent. Als Virtuosin der historischen Aufführungspraxis erlebte sie ihr internationales Debüt mit 22 Jahren unter Marc Minkowski bei den Salzburger Festspielen..

Nachdem sie mit ihrem ersten Album „Alleluja“ bereits große Erfolge gefeiert hatte, legt sie nun eine neue CD vor. Darauf widmet sie sich gemeinsam mit Giovanni Antonini und dessen Ensemble "Il giardino armonico" dem jungen Händel und dessen frühen italienischen Werken.

Ein Traum wird wahr

Mit fünf Jahren hat Julia Lezhneva angefangen, Klavier zu spielen. Aufgewachsen ist sie umgeben von Tschaikowskis Schwanensee. Sie ist das spät geborene Einzelkind zweier Geophysiker, die sie nach Kräften unterstützt und gefördert haben.

Das Singen fiel ihr leicht. Während sie Klavier spielte, sang sie innerlich immer mit. Und als ihr eine Musikschullehrerin schließlich eine erste Aufnahme mit Barockmusik gab, war es um sie geschehen. Sie wollte nur noch Barockes singen. Auf dem Moskauer Konservatorium, wo sie schon mit 14 Jahren aufgenommen wurde, träumte sie davon, eines Tages Giovanni Antonini oder einen anderen der großen Musiker kennen zu lernen, die sie bis dahin nur von ihren Aufnahmen her kannte. "Ich traute mich eigentlich fast nicht, davon zu träumen, mit ihnen zu singen! Das war mein größter Traum – und er ist wahr geworden!"

Eine fruchtbare Zusammenarbeit

Durch einen Youtube-Clip wurde der große französische Dirigent Marc Minkowski auf sie aufmerksam. Unter seiner Leitung gelang ihr 2010 der internationale Durchbruch. Im selben Jahr arbeitete sie auch erstmals mit Giovanni Antonini zusammen arbeitete, um die Vivaldi-Oper Ottone in Villa zur Aufführung zu bringen. Ein Schlüsselerlebnis, sagt sie. Weil Antonini so genau mit ihr gearbeitet hat: "Note für Note. Takt für Takt. Weil ich, als wir uns das erste Mal begegnet sind, noch nie eine ganze Barockoper gesungen hatte. Natürlich kam ich hin und hatte die Partie gelernt, aber ich hatte keine Idee davon, wie man die Phrase fühlen kann."

Inzwischen hat sie klare Klang- und Interpretationsvorstellungen von ihren Partien. Und auch von ihrem Repertoire. Bei der Händel-CD, bei der sie wieder mit Antonini zusammen gearbeitet hat, hatte es ihr vor allem der junge Händel angetan: "Wir wissen so viel über den englischen Händel, über den deutschen Händel, aber er war noch so jung – 21 bis 25, als er durch Italien gereist ist. Und ich denke, das ist so eine wichtige Zeit im Leben, weil man alles so tief in sich aufnimmt. Alles ist noch so besonders in diesem Alter." Sagt die heute selbst gerade einmal 25-Jährige. Und strahlt dabei auf ihrer neuen CD in jedem Ton Natürlichkeit und Frische aus.

Karoline Knappe, kulturradio

© Rundfunk Berlin-Brandenburg

http://www.kulturradio.de/programm/musik/cd_der_woche/Lezhneva-Haendel.html

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