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LESUNG

Leo Tolstoi: "Krieg und Frieden"

Leo Tolstois epochaler Roman Krieg und Frieden, der 1868/69 erstmals erschien, wird im kulturradio vom rbb ungekürzt vorgelesen. Ab Montag, 4. Januar, stehen das dritte Buch und das vierte Buch, mit dem der Roman endet, auf dem Programm.

Tolstoi erzählt hier vom Einmarsch der napoleonischen Truppen in Russland, von der Schlacht von Borodino, vom brennenden Moskau und vom Untergang der französischen Armee. Tolstois Roman ist in der Tat eine faktenreiche und gut recherchierte Darstellung des großen Krieges. Doch erschöpft sich sein Interesse bei Weitem nicht darin, ein möglichst farbiges historisches Panorama zu zeichnen. Was seinem Roman bis heute Kraft und Tiefe verleiht, sind seine Menschen, ihre Leidenschaften und Ängste, ihre Auseinandersetzung mit der Wirklichkeit und mit sich selbst: In den Familien Bolkonski, Rostow und Kuragin, um deren Schicksal der Roman kreist, gibt es neue Irrungen und Wirrungen.

Bewundernswert, wie Tolstoi mit großem psychologischem Einfühlungsvermögen der Geschichte und den Geschichten dieser drei Familien folgt, ohne jedoch je zu vergessen, dass sich alles vor einem großen historischen Panorama abspielt. Tolstoi zeigt das Wechselspiel von Krieg und Frieden von Privatem und Gesellschaftlichem. Sein Roman ist Kriegsgeschichte und Familienchronik, geschichtsphilosophischer Essay und militärstrategische Schrift und nicht zuletzt: das Hohe Lied auf Russland, auf seine Menschen und seine Landschaften.

Tolstoi selbst hat seinen Roman in seinem Streben nach Totalität der Darstellung mit der Ilias verglichen, und Thomas Mann hat lakonisch konstatiert: "Die erzählerische Macht des Werks ist ohnegleichen."

Der rbb hat, gemeinsam mit dem Norddeutschen Rundfunk, Radio Bremen und dem Südwestrundfunk, dieses Epos von über 2.000 Seiten ungekürzt aufgenommen. Ulrich Noethen hat an 35 Tagen in ca. 250 Stunden mit nie nachlassender Konzentration und beeindruckender Modulationsfähigkeit den Text gelesen, gefordert und gefördert von Regisseur Ralph Schäfer; sieben Monate wurde das Tonmaterial dann geschnitten.

Ab dem 4. Januar kann man sich nun wieder in die Welt zu Beginn des 19. Jahrhunderts versetzen lassen und den Aktionen der über 250 Personen des Romans folgen.
Claus-Ulrich Bielefeld

Stand vom 04.01.2010

© Rundfunk Berlin-Brandenburg

http://www.kulturradio.de/programm/schema/beitraege/2010/januar/_krieg_und_frieden.html

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