Kirsten Fuchs, Schriftstellerin; Foto: Carsten Kampf

- Aufzeichnungen aus dem Jobcenter

Wie die Schriftstellerin Kirsten Fuchs einmal Hartz Vier beantragte

Eine Erzählung von Kirsten Fuchs

Wenn Schriftsteller zum Arbeitsamt gehen, kann es passieren, dass sie darüber schreiben: Als Kirsten Fuchs einen angekündigten Roman nicht zum vereinbarten Termin beim Verlag abgeben konnte, dachte sie, es sei eine gute Idee, für ein halbes Jahr Unterstützung beim Jobcenter zu beantragen.

Ihre Erfahrungen bei einem Amt, das sie einen "Verzweiflungsapparat" nennt, hat die bekannte Berliner Autorin aufgeschrieben. In gewohnt pointiert-ironischer Art nennt sie die Dinge beim Namen, gleichzeitig sind ihre Beobachtungen jedoch auch das traurige Dokument eines mühseligen Bürokratie-Apparats, der es den Antragstellern nicht gerade leicht macht.

Kirsten Fuchs berichtet von Sachbearbeitergesichtern und unlesbaren Formularen, von Post, die im Hausbriefkasten verschwindet, vom Kampf der Geduld und von Unterkategorien der Engel, die wertfrei einfach nur helfen wollen. Und sie erzählt Hartzvierwitze und davon, wie schwer es ist, inmitten all der Bürokratie nicht die Würde zu verlieren.


Der Jugendroman, dessen Abgabe sich verschob, ist 2015 erschienen: Für "Mädchenmeute" hat Kirsten Fuchs im Oktober den Deutschen Jugendliteraturpreis gewonnen.

Kirsten Fuchs wurde 1977 in Karl-Marx-Stadt geboren und ist in Berlin aufgewachsen. Sie war eine der ersten Frauen auf den Berliner Lesebühnen. Sie schreibt Romane, Erzählungen, Lesebühnentexte, Kolumnen und Blogs (u.a. Welt und Kind). Mehr auf ihrer Webseite unter www.kirsten-fuchs.de.