Bernhard Robben; © Carsten Kampf
Carsten Kampf
© Carsten Kampf

- Das literarische Gespräch

Zum Start der Lesung von Ian McEwans "Nussschale": der Übersetzer Bernhard Robben im Gespräch mit Anne-Dore Krohn

Wenn Bernhard Robben übersetzt, steht über allem immer die Frage: Wie nah muss er ans Original heran – und wie weit muss er davon weggehen? Das Wichtigste ist für ihn, dass das Leseerlebnis des deutschen Textes vergleichbar ist mit dem des Originals, dass also Rhythmus, Tonfall und Stimmung übertragen werden. Und das heißt manchmal auch, sich weit von der wörtlichen Übersetzung zu lösen, um dem Text letztlich doch wieder näher zu kommen.

Umberto Eco beschrieb das Übersetzen als "Verhandlungssache" und als "Prozess, bei dem man um etwas zu erreichen, auf etwas anderes verzichtet". Verhandelt wird mit dem Text an sich, gelegentlich auch mit dem Autor, vor allem aber, so Robben, verhandelt er mit sich selbst: "Ich muss so lange mit mir hadern und den Worten und der deutschen Sprache, bis ich das Gefühl habe, jetzt ist es so gut, wie ich es machen kann."

Bernhard Robben, geboren 1955, hat u.a. John Williams, Philip Roth, John Banville, Salman Rushdie, John Wray, Hanif Kureishi und John Burnside übersetzt – und immer wieder auch Ian McEwan, zuletzt sein neues Buch "Nussschale", das ab dem 9. Januar im kulturradio vom rbb als Lesung gesendet wird, gelesen von Wanja Mues.

Gefangen im Uterus

Bevor aus "Nutshell" die "Nussschale" wurde, las Robben zur Vorbereitung zwei Übersetzungen von Shakespeares "Hamlet", denn Ian McEwan erzählt eine moderne Variation des Hamlet-Stoffes, inklusive Brudermord durch Vergiften.

Zu Wort kommen lässt er eine der unzuverlässigsten Erzählerfiguren seit langem: Ein Embryo hält aus dem Mutterbauch einen 200 Seiten langen Monolog. Gefangen im Uterus, wird er Zeuge eines geplanten Giftmordes. Seine Mutter Trudy und ihr Geliebter Claude wollen Claudes Bruder umbringen, den Vater des Ungeborenen, nicht um das Königreich Dänemark zu regieren, sondern um sein Haus in einem wohlhabenden Londoner Viertel zu verkaufen.

"So, hier bin ich, kopfüber in einer Frau." lautet der erste Satz dieser skurrilen Suada eines Ungeborenen. Im Literarischen Gespräch erklärt Bernhard Robben, warum er den ersten Satz genau so übersetzt hat und nicht anders, erzählt von versteckten Reimen, seinem ersten Treffen mit Ian McEwan vor 30 Jahren, seiner Spürnase für sachliche Fehler und versucht die Frage zu beanworten, warum die Übersetzer so oft nicht einmal erwähnt werden, obwohl jede Übersetzung einmalig ist.

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