Eisenacher Lutherhaus: Martin Luther (1483-1546) seine Bedeutung für die Sprache; © imago/epd-bild/Sascha Willms

- "Sage mir: Ist das deutsch geredet?"

Martin Luthers Bedeutung für die deutsche Sprache

Von Thomas Diecks

Vor 500 Jahren veröffentlichte Martin Luther seine 95 Thesen. Bedeutend ist er jedoch nicht nur als theologischer, sondern auch als sprachlicher Reformator. Hätte es Luthers Bibelübersetzung von 1534 nicht gegeben, würden wir heute ganz anders sprechen.

Luther schuf das sogenannte "Lutherdeutsch", das bis heute Grundlage unserer Sprache geblieben ist. Seine Bibel wurde der erste Bestseller des Verlagswesens, die Verbreitung war enorm. "Er ist's", urteilte Johann Gottfried Herder 250 Jahre später, "der die deutsche Sprache, einen schlafenden Riesen, aufgewecket und losgebunden hat".

In seinem 1530 erschienenen "Sendbrief vom Dolmetschen" legte Luther seine Prinzipien dar: Das Übersetzen biblischer Texte solle sich an der gesprochenen deutschen Sprache orientieren, daran, wie auf der Straße, auf dem Marktplatz und in den Familien geredet wird. Was in vorherigen Übersetzungen hölzern geklungen hatte, verwandelte Luther nun in eine verständliche, prägnante Sprache.

Auch viele Redewendungen gehen auf seine sprachschöpferische Kraft zurück, zum Beispiel "sein Scherflein beitragen" oder "Stein des Anstoßes" oder "Wolf im Schafspelz".

Thomas Diecks stellt Martin Luther als Übersetzer und Sprachschöpfer vor und vergleicht anschaulich, wie seine Sprache die Bibel zu einem lesbaren Buch gemacht hat.

Sprecher: Thomas Diecks, Nadja Schulz-Berlinghoff und Gerd Grasse
Regie: Michael Meyer

Zum Weiterlesen

"Die Luther-Bibel von 1534"
Nachdruck, Taschen Verlag 2016, 1.920 Seiten, 39,99 Euro

"Die Lutherbibel 2017"
Revidierte Lutherübersetzung, Jubiläumsausgabe 500 Jahre Reformation, Deutsche Bibelgesellschaft 2016, 1.536 Seiten, 25,00 Euro

Martin Luther
"An den christlichen Adel deutscher Nation. Von der Freiheit eines Christenmenschen. Sendbrief vom Dolmetschen"
Reclam Verlag 1962, 174 Seiten, 4,60 Euro

"Tischreden"
Reclam Verlag 1981, 317 Seiten, 8,60 Euro

Werner Besch
"Luther und die deutsche Sprache. 500 Jahre deutsche Sprachgeschichte im Lichte der neueren Forschung"
Erich Schmidt Verlag 2014, 181 Seiten, 29,80 Euro

Jörg Riecke
"Geschichte der deutschen Sprache. Eine Einführung"
Reclam Verlag 2016, 277 Seiten, 16,95 Euro

Bruno Preisendörfer
"Als unser Deutsch erfunden wurde. Reise in die Lutherzeit"
Galiani Verlag 2016, 472 Seiten, 24,99 Euro

Jutta Krauß (Hrsg.)
"Luther und die deutsche Sprache. Vom Bibelwort zur inszenierten Memoria auf der Wartburg"
Begleitschrift zur Sonderausstellung vom 4. Mai 2016 bis 8. Januar 2017 auf der Wartburg. Verlag Schnell & Steiner 2016, 136 Seiten, 12,95 Euro

Karl-Heinz Göttert
"Luthers Bibel. Geschichte einer feindlichen Übernahme"
S. Fischer Verlag 2017, ca. 480 Seiten, ca. 26,00 Euro