"Baron Noir" ©STUDIOCANAL, Montage: rbb
Bild: STUDIOCANAL, Montage: rbb

DVD - Baron Noir

Bewertung:

In der französischen TV-Serie "Baron Noir" geht es um den Niedergang der Sozialisten. Französische Medien lobten die Politserie in höchsten Tönen als das französische "House of Cards". Jetzt ist die erste Staffel auf DVD erschienen.

In den französischen Medien wurde die Politserie "Baron Noir" bei der Erstausstrahlung im Frühjahr des letzten Jahres in höchsten Tönen gelobt und als Mischung aus der amerikanischen Politserie "House of Cards" und der ebenfalls amerikanischen Mafia-Serie "Die Sopranos" gefeiert.

Damals Noch-Präsident Hollande zeigte sich dagegen weniger begeistert, bezichtigte die Serie der schrillen Karikaturhaftigkeit. Womöglich lagen die fiktiven Ereignisse aber auch einfach nur zu nah an der Wirklichkeit, an der Krise der sozialistischen Partei Frankreichs. Seit Anfang April  ist die Serie nun auch bei uns auf dem Pay TV Sender Sony Channel zu sehen. Ab sofort ist sie auch als DVD und Blu-ray erhältlich.

Düsterer Grundton

Schon die Titelmelodie setzt den existenziell düsteren und aggressiv treibenden Grundton der Serie. In der luftigen Höhe eines Pariser Hochhausdaches treffen sich zwei Politiker der sozialistischen Partei. Es ist eine letzte Lagebesprechung vor dem Fernsehduell: Der schwarze Baron aus dem Serientitel, Philippe Rickvaert, ist nicht nur Bürgermeister von Dunkerque, Dünkirchen, sondern auch Strippenzieher im Wahlkampf des sozialistischen Präsidentschaftskandidaten.

Jäh gestört wird die Eintracht zwischen den beiden Männern durch eine SMS, die Rickvaert spürbar aufschreckt. Er holt sich Unterstützung von einem Wahlkampfhelfer: "Du musst raus, geh’ auf die Straße, bitte jemanden um sein Handy, lass dir was einfallen, dass deine Oma im Sterben liegt, dann wählst du die Nummer hier und sagst, ich sei unterwegs, er versteht das, und jetzt geh, beeil dich – verstanden, alles klar!"

Rickvaert kämpft mit allen Mitteln

Diese im Grunde noch harmlose Trickserei ist bereits ein Vorgeschmack auf die Unerbittlichkeit, mit der Rickvaert fortan mit allen Mitteln um die Macht kämpfen wird. Vor dem Treffen mit einem befreundeten Polizisten zertrümmert er dessen Handy: "Was ist los? Die Finanzermittler stehen kurz davor, dich festzunehmen – so eine Scheiße! Was werfen sie mir vor? Dunkerke, das Wohnungsbauamt, die wollen mit sechs Wagen in der Zentrale anrücken und zwar um sechs, die wollen deine Immunität aufheben und dich verhaften. Wer hat uns diese Scheiße eingebrockt?"

In der Gewerkschaftskasse fehlen 120.000 Euro, die kurzfristig in den kostspieligen Wahlkampf umgeleitet wurden.  Sieben Stunden bleiben Rickvaert, um das Loch zu stopfen oder einen Sündenbock zu finden, der die Schuld von den Spitzen der Partei ablenkt. Auf Unterstützung des Kandidaten darf er dabei nicht hoffen, denn der lässt ihn augenblicklich fallen. So beginnt für Rickvaert eine rastlose Hatz durch die Nacht, in der er kompromittierende Computer zerstören lässt, Mitarbeiter und Freunde anpumpt, seinen eigenen Flachbildfernseher zum Hehler bringen lässt, einen jungen Gewerkschaftler in den Selbstmord treibt und sich am Ende auf die riskante Allianz mit einem schmierigen Bauunternehmer einlässt: "Gewöhnlich will man von Balois nichts wissen, aber wenn’s ums Löcherstopfen geht, da denkt man, da kennt der sich aus. Stopfen wir ein paar Löcher. 70.000 sind das, woher es kommt, willst du nicht wissen? In einer Woche hast du’s wieder? Ist das alles, was Sie sagen wollten, Herr Bürgermeister? - Danke Gérard."

Der Sozialist gerät auf Abwege

Im Kampf um die Würde der Ärmsten des Landes gerät der Sozialist Rickvaert bald auf kriminelle Abwege, und man spürt, dass er sich so leidenschaftlich für die Sache einsetzt, dass er gar nicht merkt, wie dünn das Eis wird, auf dem er sich bewegt. Er tut das Richtige mit den falschen Mitteln. Der algerisch-französische Schauspieler Kad Merad spielt das so feurig und leidenschaftlich und zugleich zerrissen von menschlichen Widersprüchen, dass man als Zuschauer ganz unmittelbar in seine Abgründe hineingerissen wird.

Bekannt geworden ist Merad mit der Komödie "Willkommen bei den Schti’s", hier ist er zum ersten Mal in einer tragenden dramatischen Rolle zu sehen, in der er zwischen Politik, Familie und Liebe ums Überleben kämpfen muss. Dass die Geschichten, die hier erzählt werden, einen so ungeheuren Sog entwickeln, hat auch damit zu tun, dass ihre Fiktionen mit der Realität des politischen Betriebs unterfüttert sind. Éric Benzekri, der die Serie zusammen mit Jean-Baptiste Delafon für Canal+ produziert hat, war in den achtziger und neunziger Jahren selbst in der sozialistischen Partei aktiv, bevor er seine Erfahrungen in Drehbücher fließen ließ, wie er im making of erläutert: "Es ist zwar Fiktion, aber alles ist echt. Man sieht die Serie und spürt, dass all diese Dinge passieren könnten."

Blick hinter die Kulissen der französischen Politik

Dabei legen es die Autoren nicht auf die Wiedererkennbarkeit realer Politiker an, eher geht es um ein "Kondensat einer ganzen Generation von führenden Köpfen der sozialistischen Partei". Dabei beziehen sie sich weniger auf Politthriller als auf Mafia-Filme: "Die politische Entourage kann mafiöse Strukturen annehmen, jeder hat seine Handlanger , Leute, die für ihn kämpfen und sich opfern. Diese politischen Verbindungen ähneln im Grunde familiären Strukturen."

So verschmilzt "Baron Noir" den authentischen Blick hinter die Kulissen der französischen Politik mit der atemlosen Spannung eines Mafia-Thrillers.

Acht Folgen der ersten Staffel sind bei Studiocanal erschienen und kosten auf DVD rund 18 Euro, auf Blu-ray rund 23 Euro.

Anke Sterneborg, kulturradio