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DVD - "Der Mann, der vom Himmel fiel"

Bewertung:

Vor vierzig Jahren kam Nicholas Roegs "Der Mann der vom Himmel fiel" in die deutschen Kinos. Zum 40. Jubiläum und pünktlich zum ersten Todestag von David Bowie hat Arthaus eine Anniversary Edition mit umfangreichem Booklet zur Entstehung des Films und des Soundtracks inklusive Soundtrack CD veröffentlicht.

Der Film erzählt die Geschichte eines Aliens, der auf der Erde landet, um Wasser für seinen von Dürre bedrohten Planeten zu finden. Mit dem Popstar David Bowie in seiner ersten Kinorolle war auch der Film selbst ein wundersamer Fremdkörper in der Kinolandschaft des Jahres 1976.

David Bowie als perfekter Alien

Kurz nach dem Aufschlag eines fremden Flugobjektes bahnt sich ein einsamer Mensch im schwarzen Kapuzenmantel mit unsicheren Schritten einen Weg durch schwarzen Kies. Sobald der Fremde die Kapuze nach hinten streift, wird sein leuchtend organgerotes Haar sichtbar.

Mit seiner extrem zierlichen, zerbrechlichen Gestalt, den feingliedrigen Händen, seinem Alabaster-Teint, den schiefen Zähnen und den verschiedenfarbigen Augen ist David Bowie die perfekte Besetzung für einen Alien, der sich unter die Erdenbewohner mischt und doch immer ein bisschen fremd bleibt, zum Beispiel weil er nur Wasser trinkt, schon bei geringen Geschwindigkeiten Übelkeit empfindet, auch im Hotel lieber nicht den Aufzug benutzen möchte und sechs gleichzeitig laufende Fernseher als Crashkurs über die Gepflogenheiten auf der Erde nutzt.

Bowie war schon damals eine Kultfigur

Der große Coup des Films ist der Hauptdarsteller: Die fremdartige Aura des Pop-Stars David Bowie, der zu dieser Zeit für seine Konzeptalben bereits schillernde Persönlichkeiten wie Aladdin Sane und Ziggy Stardust erschaffen hatte, verband sich kongenial mit seinem Auftreten als Alien, wie auch die Nebendarstellerin Candy Clark fand: "Er sah aus als komme er von einem fremden Planeten. Man konnte sich leicht vorstellen, dass er es auch war."

Im Interview beim französischen Fernsehen sprach Bowie über die besonderen Herausforderungen seiner ersten Filmrolle, dass er keine Gefühle zeigen durfte, dass seine Sprache gestelzt klingen musste, weil er sie aus dem Fernsehen gelernt hatte und dass  sein Gesicht am Ende des Tages schmerzte, weil er keinen Muskel bewegen durfte. Eigentlich sollte Bowie, der damals mit 30 Jahren bereits eine internationale Kultfigur war, auch den Soundtrack zum Film liefern. Da seine Honorarforderungen zu hoch waren, übernahm John Philipps den psychedelisch sphärischen Soundtrack. Bowies Kompositionen wurden kurz darauf auf der LP "Low" veröffentlicht.

Der Außerirdische will Technologien verkaufen

Im Film gibt sich der Außerirdische als Engländer mit dem Namen Thomas Jerome Newton aus und sucht einen Patentanwalt auf. Der soll ihn dabei unterstützen, die fortschrittlichen Technologien, die er von seinem Heimatplaneten mitgebracht hat, zu verkaufen, wie eine Polaroid-Kamera, ein besonderer Stift und ein neuartiges Musikabspielgerät. Einserseits beäugt Newton das Tun der Menschen mit wachsamem Befremden, andererseits schweift er aber auch immer wieder zu den Erinnerungen an seinen Heimatplaneten ab, wo er mit Frau und zwei Kindern in weißen Trikotanzügen, mit Tanks auf dem Rücken truamverloren durch eine ausgeblichene Landschaft wandelt.

Der Film wirkt immer noch wie aus der Zeit gefallen

Mit assoziativen Schnitten und psychedelischen Klängen entwickelte der Film eine zeitlose, befremdliche Aura. Ganz gezielt arbeitete Nicholas Roeg daran, die normale menschliche Wahrnehmung auszuhöhlen, sie auf subversive Weise der möglichen Perspektive eines Aliens anzunähern. Im Bonusmaterial erzählt der Produzent, dass sie sich vorgenommen hatten, einen Film zu machen, der auch ihren Kindern nicht altbacken erscheinen würde. Tatsächlich war "Der Mann der vom Himmel fiel" seiner Zeit vorraus und wirkt mit seiner faszinierenden Befremdlichkeit bis heute wie aus der Zeit gefallen, eher zukünftig als vergangen.

Die 40 Years Anniversary Edition von "Der Mann der vom Himmel fiel" ist zusammen mit einer Soundtrack-CD und diversen Bonusmaterialien bei Arthaus in einem schönen Buchschuber erschienen und kostet rund 30 Euro. Auch Julian Temples' "Absolute Beginners", in dem Bowie 1985 eine kleine aber wichtige Rolle übernommen hat, ist als 30th Anniversary Edition bei Eurovideo erschienen und kostet rund 12 Euro.

Anke Sterneborg, kulturradio