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DVD - Schimanski - Die Gesamtkollektion

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Horst Schimanski war die berühmteste Rolle des im vergangenen Sommer mit 77 Jahren verstorbenen Götz George, sogar eine Straße wurde in Duisburg nach ihm benannt, eine ganz außergewöhnliche Ehrung, da fiktive Figuren sonst grundsätzlich als Namensgeber für öffentliche Orte ausgeschlossen sind. Bei Eurovideo sind nun alle 17 Filme der Fernsehserie auf DVD erschienen, zum ersten Mal auch sein letzter Auftritt in "Loverboy".

Der raubeinige Duisburger Tatort-Kommissar Horst Schimanski war ein echter Publikums-Liebling, gerade weil er so unversöhnlich und ruppig war. Insgesamt 48 mal hat Götz George den kernigen Ermittler gespielt, zunächst seit 1981 im Tatort, später in zwei Kinofilmen und sechs Jahre nach seiner Entlassung aus dem aktiven Polizeidienst im Jahr 1991 sogar in einer eigenen TV-Reihe. Mit seinem hemdsärmelig anpackenden Auftreten hat er das Bild des deutschen Fernsehermittlers nachhaltig verändert.

Der Mann fürs Grobe

Schimanski ist kein Mann der leisen Töne, wo er auftritt, rumst und rumpelt es gewaltig, etwa wenn er mal wieder durch die Tür ins Büro der Staatsanwältin brettert oder einen Computer wutentbrannt auf den Gang schleudert, bei einer Razzia in einer Szenekneipe, beim Schusswechsel mit flüchtigen Verbrechern, aber auch wenn er nur seinen Citroën CX Turbo 2 durch die Straßen von Duisburg lenkt oder durch die Glasfront mitten hinein ins Foyer eines korrupten Firmenbosses kracht.

Horst Schimanski ist der Mann fürs Grobe, der immer dann geholt wird, wenn Polizisten und Staatsanwälte mit legalen Mitteln nicht mehr weiter kommen, weshalb die Verdächtigen auch keine Chance haben, wenn sie etwa einen Durchsuchungsbefehl fordern.

Der Rächer der Zukurzgekommenen

Als Schimanski 1981 zum ersten Mal auftrat, war der Produzent Günter Rohrbach keineswegs begeistert, wie sich Götze George im Bonus-Gespräch erinnert: "Das war ja nicht mehrheitsfähig, sagte der (eigentliche) Produzent der Bavaria bei der Abnahme. Der hat gesagt, was fällt Euch ein, was macht Ihr da, was passiert hier? Keiner hat dran geglaubt, und wir kriegten unheimlich viel Schelte, aber wir sind uns und dieser Richtung treu geblieben, wir merkten, dass wir eine Fangemeinde hatten, und das hat uns bestärkt."

Das Publikum liebte ihn sofort. Er war der Rächer der Zukurzgekommenen und Benachteiligten, setzte sich immer für die ein, die keine Chance haben. Er war authentisch und nahm kein Blatt vor den Mund. Dazu gehörte auch, dass er der erste deutsche Fernsehkommissar war, der vor einem Millionen-Publikum "Scheiße" sagen durfte, und zwar ziemlich oft, wenn auch nicht die 32 mal in einer Folge, die die Bild-Zeitung ihm schlagzeilenträchtig andichtete.

Schimanski trug die gleichen Klamotten wie Götz George

Ewig aufbrausend und um sich schlagend wurde Schimanski zum deutschen Actionhelden, der seine Stunts natürlich selbst übernahm. Mit seiner schönen belgischen Freundin lebte er am Rande der bürgerlichen Gesellschaft auf einem Hausboot und trug Klamotten, die der Schauspieler Götz George aus seinem eigenen Kleiderschrank holte, ein enormer Kontrast zu seinem ersten Partner Thanner, der in schwarzem Anzug mit Fliege zum Dienst erschien: "Ich hab gesagt, so stell ich mir meinen nicht vor, der hat Jeans oder ’n paar Cordhosen und ’ne Schimanski-Jacke, ’n Sweatshirt und noch ein Sweatshirt drüber und Cowboystiefel. Wenn ich mir den Text vorstelle, was der zu sagen hat, und was für’n Slang, aus welcher Ecke der kommt."

Bis heute virulente Themen

Viele der Folgen haben die Jahrzehnte seit ihrer Entstehung erstaunlich gut überstanden. Sie nahmen bis heute virulente Themen auf, von Korruption in Wirtschaft und Politik über illegale Einwanderer oder Menschenhandel. Sicher, manche der Bösewichter sind ein wenig platt geraten, dennoch sind die Geschichten spannend, nicht zuletzt auch wegen des natürlichen Charismas von Götz George.

Hinzu kommt, dass man hier viele tolle Schauspieler in frühen Rollen sehen kann, wie Sebastian Koch oder Christoph Waltz, der in der Folge "Blutsbrüder" schon mit der kalten Arroganz spielte, die ihn später in Hollywood berühmt machen wird. Ein sperrig charmantes Buddy-Movie entwickelt sich da aus der anfänglichen Feindseligkeit zwischen seinem Gangster und Georges Ermittler. Aber auch sonst gibt es noch vieles und viele zu entdecken, in dieser Box.

Die Gesamtkollektion Schimanski mit 17 Filmen und einem einstündigen Interview auf 9 DVDs ist bei Eurovideo erschienen und kostet rund 30 Euro.

Anke Sterneborg, kulturradio