The Collection, Montage: rbb
Bild: © polyband Medien GmbH, Montage: rbb

DVD - "The Collection"

Bewertung:

Rauschende Roben, wogende und knisternde Stoffe, das Parfum von Luxus und Glamour: Seit den Dreißiger Jahren inspirieren sich Mode und Kino gegenseitig immer wieder aufs Neue. In der von Amazon Original fürs englische Fernsehen produzierten, achtteiligen Fernsehserie "The Collection" werden die schimmernden Oberflächen der Haute Couture im Paris der Nachkriegszeit mit den dunklen Schatten der schmutzigen Vergangenheit kontrastiert.

Peter Coyle spielt den Modemacher Paul Sabine, der den verblassten Ruhm der Pariser Mode wieder neu beleben will. Nach der Fernsehausstrahlung im Juni auf dem Bezahlsender RTL Passion ist die Serie jetzt (ab 25.8.) bei Polyband auch auf DVD erschienen.

I love Paris in the springtime, I love Paris….when it sizzles

Kaum erklingt diese Musik, ist man mitten drin im Paris von 1947, das sich langsam von den Schrecken des Krieges erholt. Doch bevor es ins Licht der Defilées geht, taucht die Serie ins Dunkel der Nacht ein, wo auf einem Grundstück außerhalb von Paris ein Loch gegraben und eine Leiche verscharrt wird. Und das ist nur das erste von vielen Geheimnissen, die den Mitgliedern der Familie Sabine und den Angestellten des gleichnamigen Modehauses gefährlich werden könnten.
Während Paul Sabine im Taxi noch letzte Hand an ein grünes, mit Perlen besticktes Kleid anlegt, gibt es auf den Pariser Straßen Tumulte um die Prozesse gegen Kollaborateure. Wieder im Modehaus, bekommt Paul Sabine ein interessantes Angebot, eine Chance der finanziellen Misere zu entkommen:  "Das Büro des Präsidenten sucht einen Modeschöpfer, der die Welt einkleidet, angefangen in Paris.  Trouvier hat uns gebeten, den richtigen Partner für ihn zu finden, Sie verstehen sicher warum Trouvier vorsichtig ist, er hat sich ein paar Mal bei Kooperationen die Finger verbrannt, in der Vergangenheit wurden hässliche Geschäfte gemacht, die wir alle gerne vergessen würden, nicht wahr  Sie haben bisher erst eine Kollektion gezeigt. Dass Sie keine Vergangenheit haben, wirkt sich positiv aus."

Eine provozierende Kollektion

Nur sieben Wochen bleiben Paul Sabine, um eine Kollektion auf die Beine zu stellen. Während er nach außen repräsentiert, die Kunden umgarnt und sich um die Publicity kümmert, ist sein Bruder Claude der geniale Modeschöpfer, der allerdings nur im Verborgenen agiert. Denn niemand darf von seiner privaten Vorliebe für Männer wissen: "Er will nicht im Rampenlicht stehen - Weil du und deine Mutter ihm eingeredet habt, das ist die beste Kombination."

Und dann ist da noch der junge, ehrgeizige Fotograf Billy aus Amerika,  der die Fotos für eine Geschichte im Life-Magazine aufnehmen soll. Seine Fotos erinnern an den poetischen Realismus von Robert Doisneau, dessen berühmtes Kussfoto zitiert wird. Er steckt voller innovativer Ideen: "Wir müssenja nicht das liefern was erwartet wird. Ich bin da an einem baufälligen Fleischerladen vorbeigekommen, nehmen wir den doch als Hintergrund für die Ballkleider, nach dem Motto Phönix erhebt sich aus der Asche…"

Tatsächlich lässt Billy dann Nina, eine der Näherinnen im leuchtend roten Luxus-Kleid auf dem Gemüsemarkt posieren: Mitten im grauen Alltag des Nachkriegs-Paris stellt das rote Kleid einen provozierenden Kontrast dar, auf den die Marktfrauen, denen das Nötigste zum Leben fehlt, sehr ungehalten reagieren:  "So viel Stoff! Da könnte man ein dutzend Kinder einkleiden. Wie viele haben nichts zum anziehen!" (Handgreiflichkeiten, Geschrei)

The Collection
"The Collection", © polyband Medien GmbH

Jeder hat etwas zu verbergen

Jeder hat hier etwas zu verbergen, ein uneheliches Kind, eine Trickserei in der Besatzungszeit, das Überleben durch Prostitution, ein Verbrechen aus Notwehr. Die Kontraste zwischen dem schönen Schein und der dunklen Vergangenheit haben es auch  Irene Jacob angetan, die Ninas Mutter spielt: Man sieht es schon an der Art der Ausleuchtung, auf eine sehr kontrastreiche Art, mit einer Dynamik von Licht und Schatten, in der Ästhetik ebenso wie in der Geschichte selbst: Was sieht man und was wird versteckt.

Das Paris von 1947 wurde in Londoner Studios zu neuem Leben erweckt, mit einer betörenden Liebe zu sinnlichen Details, in der Patina auf Türen und Wänden, den Texturen der Stoffe, dem Handwerk in den Ateliers und mit vieldeutig ziselierten Dialogen. Meryl Streeps Tochter Mamie Gummer, die Paul Sabines Frau spielt, schwärmt von den Kleidern des New Look, und davon wie sie die Korsagen und Reifröcke vergangener Zeiten mit femininen Formen verbinden: Das ist etwas zwischen einer Zwangsjacke und einem Superheldenkostüm, je nachdem wie der Tag läuft.

Die Mode wird dabei zur vielschichtigen Metapher, wie Oliver Goldstick, der Drehbuchautor der Serie im Making of erläutert: "Ich wollte, dass die Schatten der Vergangenheit in der Serie herumspuken. Mode steht für Veränderung und Neuerfindung. Es geht immer darum sich zu zeigen, aber auch etwas zu verbergen. Die Kleider sind dabei zugleich Panzer und Maske."

Anke Sterneborg, kulturradio