Aktueller Musiktitel:
Edward Elgar
Cellokonzert e-Moll, op. 85

Mi 14.12.2011

Ausstellung

Deutsche Kinemathek: "Am Set"

Bewertung: gelungen

Die Deutsche Kinemathek am Potsdamer Platz macht immer wieder durch große Ausstellungen auf sich aufmerksam. Es sind Ausstellungen, die keineswegs nur für Cineasten interessant sind – Themen wie Romy Schneider, Ingmar Bergmann oder Im Dschungel sorgen regelmäßig für ein gut besuchtes Haus.

Die neue Ausstellung Am Set zeigt zum Teil unveröffentlichte Fotos von den Dreharbeiten berühmter Filme von 1910 bis heute.

Was ist Set-Fotografie?
Wer sich fragt, was genau man unter Set-Fotografie versteht, bekommt hier einen umfassenden Eindruck: Es handelt sich um gestellte oder auch dokumentarische Aufnahmen von den Dreharbeiten, wie ein Star in einem scheinbar unbeobachteten Moment, der Regisseur im Gespräch mit seinen Schauspielern, der Kameramann beim Ausleuchten. Das heißt: das sonst Unsichtbare wird sichtbar, der Produktionsprozess, wie ein Film entsteht, transparent. Die Set-Fotografie wurde aber auch zur Selbstdarstellung genutzt und das, seitdem es Film gibt.

Die Fotos reichen von den Anfängen des Films bis heute
Im Mittelpunkt aber stehen die Jahre 1910 – 1939, es waren entscheidende Jahre: In diese Zeit fiel der Umbruch vom Stumm- zum Tonfilm, was immense technische Veränderungen bedeutete, so wuchs die Apparatur so an, dass der Mensch dagegen winzig klein aussah. Und es entstand das "Star-Wesen".

Grundlage von Am Set ist die Übernahme der Ausstellung Tournage der Cinématheque Francaise in Paris aus dem Jahr 2010. Sie wurde von den deutschen Kuratoren übernommen, aber um einen aktuellen Zugang erweitert. Da das Studio Babelsberg 2012 100jähriges Bestehen feiert, sind auch die Set-Fotografien der großen Produktionen aus den letzten Jahre zu sehen, die zeigen, wie attraktiv Berlin heute als Filmstadt ist – von Der Pianist über Der Vorleser, Inglourious Basterds oder Anonymus. Diese Gegenüberstellung von damals und heute macht deutlich, wie anders die Atmosphäre heute ist im Gegensatz zu den frühen Bildern. Diese sind weniger glatt, es gibt mehr zu entdecken. Das mag an der Brennweite und Auflösung heutiger Fotos liegen, oder vielleicht auch an den Darstellern, die mehr mit der Kamera spielten und nicht ganz so cool waren wie Brad Pitt oder Tom Cruise heute.

Das Besondere der Set-Fotografie und damit der Ausstellung ist: diese Fotos entzaubern den Film nicht, sie erweitern die Perspektive und erzählen die Geschichten hinter der Geschichte.
Christine Deggau, kulturradio

© Rundfunk Berlin-Brandenburg

http://www.kulturradio.de/rezensionen/ausstellung/2011/Deutsche_Kinemathek__Am_Set.html

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