Aktueller Musiktitel:
Edward Elgar
Cellokonzert e-Moll, op. 85

Wilhelm Lachnit Gliederpuppe, 1948 Öl und Tempera auf Sperrholz, 75 x 110 cm © Erbengemeinschaft von Max und Wilhem Lachnit

Do 10.11.2011

Ausstellung

Neue Nationalgalerie: Der geteilte Himmel

Bewertung: gelungen

Mies van der Rohes Neue Nationalgalerie ist nicht nur ein Haus für wechselnde Ausstellungen, sie verfügt auch über eine eigene Sammlung. Der erste Teil dieser Sammlung, Kunst von 1900 – 1945, war dort (unter dem Titel 'Moderne Zeiten') bereits zu sehen. Der zweite Teil, der jetzt gezeigt wird, reicht von 1945 – 1968, also vom Ende des Zweiten Weltkriegs bis in das Jahr der Studentenunruhen, des Prager Frühlings, der Proteste gegen den Vietnamkrieg.

Ungeteilte Aufmerksamkeit für Ost und West
Sein Titel, 'Der geteilte Himmel', ist einem Roman von Christa Wolf entliehen, aus dessen Verfilmung auch einige Szenen gezeigt werden, um die Atmosphäre dieser ideologisch überformten Periode zu beschwören. Denn natürlich spielt die Teilung eine wichtige Rolle – auch wenn die Ausstellung 'Ost'- und 'West'-Kunst nicht noch einmal auseinander dividiert.

Beispielhaft dafür, daß die beiden, ideologisch besetzten Richtungen Abstraktion und Figuration, sich auch über Staatsgrenzen hinweg bewegt haben, hängen im Foyer u.a. nicht nur ein abstraktes und ein Bild des sozialistischen Realismus einander gegenüber – in der Mitte des Raums steht eine Figurengruppe des amerikanischen Bildhauers Duane Hanson: Ein weißer Polizist, der einen am Boden liegenden Schwarzen tritt – Hyper-Realismus, aus der kapitalistischen Welt.

Ungewöhnliche Gegenüberstellungen
Während im ersten und im letzten Raum 'Momentaufnahmen' der Jahre 1945 und 1968 zu sehen sind, wurden ansonsten manche Räume einer stilistischen Entwicklung, andere einem Thema gewidmet. Dabei riskieren die Ausstellungsmacher auch einige ungewöhnliche Gegenüberstellungen: Werken der Pop Art von Andy Warhol, Kitaj oder Sigmar Polke haben sie beispielsweise ein ein Regal mit Mao- und Marx-Büsten von Gustav Seitz, bzw. Will Lammert gestellt – als 'Popstars' des Ostens. Darüber kann man, darf man diskutieren – und das ist die Stärke dieser Ausstellung: Hier wurde nicht (nur) mit kunstgeschichtlichen Schablonen gearbeitet, sondern mit den Augen.
Silke Hennig, kulturradio

© Rundfunk Berlin-Brandenburg

http://www.kulturradio.de/rezensionen/ausstellung/2011/neue_nationalgalerie.html

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