
Bewertung: ![]()
Keir Collection und die Schätze des Aga Khan Museum – Konkurrenten in Berlin?
Konkurrenz ist nicht zu spüren und die Zeitnähe ist gewollt! Denn die Szene der Sammler für Islamische Kunst ist klein und so konnte man sich hier gegenseitig auf den Ausstellungen besuchen, sich austauschen und feststellen, dass man sich auf Augenhöhe trifft, was die Qualität angeht. Nur in einem Punkt liegt die Ausstellung Schätze des Aga Khan Museums vorn, denn sie besitzt im Martin-Gropius Bau ungleich mehr Ausstellungsfläche. Während ein Teil der Keir Collection sich - als Dauerleihgabe im Berliner Museum für Islamische Kunst - noch mit drei relativ kleinen Räumen begnügen muss. Aber das wird ja alles anders, wenn das Museum vom Süd-in den Nordflügel des Pergamonmuseums umzieht – dann hat man auch für die Keir Collection richtig Platz. Allerdings erst im Jahr 2019.
"Sammlerglück"
Der glückliche Sammler – das ist Edmund de Unger. Der heute 92jährige Anwalt und Immobileninvestor stammt aus einer ungarischen Aristokratenfamilie, hat aber seit vielen Jahrzehnten seinen Wohnsitz in London. Dort, in seiner Villa sind auch seine 1500 Meisterwerke islamischer Kunst untergebracht. Er lebt wirklich mit diesen wunderschönen Dingen, die er seit Ende der fünfziger Jahre gesammelt hat und er sagt, "jede Erwerbung geschah aus plötzlicher Leidenschaft oder allmählich wachsender Zuneigung."
Sammlung
In Berlin befinden sich rund 100 Ausstellungsstücke: Manuskripte, Flakons, Schalen, Teppiche, Koranhandschriften, Miniaturen, Textilien. Jedes für sich herausragend. Einige sogar mit einer tausendjährigen Geschichte. Edmund de Unger hat weltweit gesammelt, auch recht gezielt. Seine Stücke kommen aus der Türkei, Ägypten, Syrien, Irak, Iran, Zentralasien und Indien. Was der Ausstellung einen ganz besonderen Charme verleiht, ist, dass man sich bemüht hat, das Wohnzimmer des Sammlers – in Miniaturform im Museum nachzubauen. Auf eleganten Stühlen kann man Platz nehmen und den Blick schweifen lassen über das, was im Regal ausgestellt ist. Man hat das Gefühl in einem sehr persönlichen Ambiente auf die Dinge zu schauen: Auf Flacons aus Bergkristallen, reich verziert mit Tierfiguren. Flacons aus der Zeit der Fatimiden und ihr luxuriöser Lebensstil im 10. und 11. Jahrhundert – muss de Unger recht gefallen haben, denn seine Sammlung an Kristallgefäßen ist recht groß und sie haben Geschichte und einen langen Weg hinter sich. Denn wahrscheinlich sind sie in der Zeit der Kreuzzüge - zum Teil auch als Reliquienbehälter nach Europa gekommen.
Mein Lieblingsobjekt ist eine winzig kleine Emailearbeit in Gold eingefasst, so groß wie ein 50 Cent-Stück und darauf ist ein kleiner Vogel zu sehen, der rote Beeren pickt. Und diese Liebe zum Detail, zur Miniaturhaften Darstellung, das ist ja genau dass, was die islamische Kunst so bedeutsam macht. Diese Detail- und Farbenfreude, wie zum Beispiel das Ausschmücken des Korans mit Zeichnungen, in Gold, Blau- und Rottönen auf Pergament, machen aus dieser Ausstellung ein wirklich sinnliches Ereignis.
Bedeutung von Privatsammlungen
Private Kunstsammlungen sind immens wichtig. Denn in Zeiten der Sparzwänge braucht man starke Partner und Sammlungen die die Bestände eines Museums sinnvoll ergänzen. Das ist auch mit ein Grund, warum Edmund de Unger Berlin ausgewählt hat, denn in London hatte er befürchtet - das sagte jedenfalls sein Sohn gestern – dass die kostbare Sammlung in irgendwelchen Museumsdepots – verschwinden würde. Außerdem ist es schön, dass die Sammlung in Europa bleibt – da die arabische Welt – wie z.B. Katar mit dem Aufbau eines eigenen Museums, die Preise für Islamische Kunst extrem hochgetrieben hat. Da können europäische Museen kaum noch mithalten.
Aishe Malekshahi, kulturradio